Am Anfang der Pilgerreise

Claudio Agazzi leistet wertvolle Dienste für die Pfarrei Geschrieben am

Claudio Agazzi

Die Pfarrei Küsnacht-Erlenbach bietet ein breites und vielfältiges Angebot für ihre Besucher an. Diese Angebote können aber nur dank freiwilliger Helferinnen und Helfer umgesetzt werden. Claudio Agazzi ist bei vielen Tätigkeiten sowohl im Hintergrund, als auch an vorderster Front mit dabei; zudem ist er Mitglied im Pfarreirat. Im Interview erzählt er über sein Engagement für die Pfarrei.

Kaum ein Projekt der Pfarrei bleibt ohne die Mitwirkung von Claudio Agazzi

Herr Agazzi, Sie sind schon seit vielen Jahren als Freiwilliger in der Pfarrei tätig. Für welche Anlässe und Projekten engagieren Sie sich?      

Ich bin Lektor und koordiniere den Einsatz der Lektorinnen und Lektoren, unterrichte Deutsch im Café International, bin in der Vorbereitungsgruppe „die Bibel, unser Glaubens- und Lebensbuch“ und leite diese Abende zusammen mit Pfarrer Wolf. Zudem bin ich Mitglied des Pfarreirats, daraus ergeben sich zwangsläufig verschiedenste Aktivitäten bei Pfarreianlässen. Besonders gerne mache ich beim jährlichen Pilgern auf dem Jakobsweg mit, welches vom Pfarreirat organisiert wird.

Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Stern“ war für mich vor allem die Anfangsphase spannend und intensiv. Das Projekt erlebte ich von der ersten Idee, günstigen Wohnraum für Menschen in finanzieller und sozialer Not zu ermöglichen, bis zur Realisierung. Also vom Einrichten des Hauses bis zum Einzug des ersten Bewohners.

Ich leite des Weiteren das „Offene Tanzen“, dessen Erlös dem Dream-Projekt von Sant`Egidio zugute kommt, das unsere Pfarrei unabhängig davon unterstützt. In Verbindung mit Sant`Egidio steht auch meine Beteiligung am jährlich stattfindenden internationalen Friedenstreffen mit einer Gruppe der Pfarrei. Ferner bin ich dabei am monatlichen „Fäscht uf de Gass“ für Obdachlose und Bedürftige im Zürcher Langstrasse-Quartier, bei dem, unter der Leitung von Sr. Ariane auch Pfarrer Wolf, einige Mitglieder unserer Pfarrei mitwirken.

Das ist beeindruckend viel, uns fällt das „Offene Tanzen“ auf. Wo haben Sie das Tanzen gelernt?

Als 16-jähriger Gymnasiast begann ich mit Standard-Tänzen in einer Tanzschule. Wenig später kam der Volkstanz hinzu. Während meiner Berufstätigkeit unterrichtete ich internationalen Volkstanz in Lehrer- und Schulsportkursen. In meiner Freizeit leite ich seit über 40 Jahren eine Volkstanzgruppe. Vor allem aber habe ich jedes Jahr an den verschiedensten Orten und Kursen immer wieder auch Neues dazugelernt, mein Repertoire erweitert, zuletzt vor einem Monat am schweizerischen Tanzleitertreffen.

Die Tätigkeiten haben die Berufswahl geprägt

Welchen Beruf haben Sie früher ausgeübt?

Ich war 40 Jahre lang Sekundarlehrer in sprachlich-historischer Richtung.

Hat Sie dieser Beruf bei Ihren Tätigkeiten in der Pfarrei geprägt und unterstützt?

Es ist eher umgekehrt. Mein Engagement in der pfarreilichen Jugendarbeit hatte meinen Berufsentscheid beeinflusst. Was die theologischen Kenntnisse angeht, so hatte ich zwar eine berufsbegleitende Zusatzausbildung gemacht und unterrichtete in der Folge auch das Fach „Religion und Kultur“. Wichtig war für mich aber vor allem der vierjährige Theologiekurs, den ich nach meiner Pensionierung 2012 absolvierte und von dem ich für meine Tätigkeiten in der Pfarrei sehr profitiere.

Welche Ihrer freiwilligen Tätigkeiten liegt Ihnen besonders am Herzen?

Diese Frage zielt auf eine einzige Tätigkeit, ich erlaube mir, wenigstens noch eine zweite anzufügen: Bibelarbeit und Deutschunterricht. Die Bibel ist für mich nicht nur grundlegend für meinen Glauben, sie ist nicht nur theologisch, sondern auch literarisch unerschöpflich. Das Alte Testament verbindet mich zudem mit der Geschichte und dem Glauben des jüdischen Volkes. Im Austausch mit anderen diesen Reichtum der Heiligen Schrift zu entdecken und für unseren Alltag fruchtbar zu machen, ist das Erste, was mir besonders am Herzen liegt.

Integration Migration Asylsuchende Kinder Freiwilligenarbeit
Im „Café International“ treffen sich Jung und Alt.

Das Zweite ist der Deutschunterricht, denn schon bevor ich damit im „Café International“ begann, habe ich in einem Caritas-Projekt jugendliche Asylanten betreut und erfahren, welche Schlüsselqualifikation Deutschkenntnisse bei der Lehrstellensuche und für die Integration ganz allgemein haben. Selbstverständlich geht es deshalb nicht nur um einen reinen Sprachunterricht, sondern auch um Kulturbegegnung in einer von gegenseitigem Respekt geprägten freundschaftlichen Atmosphäre.

Claudio Agazzi hat noch mehr Ideen für neue Projekte

Es sind sehr vielfältige Projekte, bei denen Sie mitwirken, mal sind sie theologisch und religiös, mal gar nicht. Ist es genau diese Bandbreite, welche Ihre Tätigkeiten spannend macht?

Ja, das ist so. Ich kenne ausserhalb der Kirche keine andere gesellschaftliche Gruppe, die so vielfältig ist in ihrer Zusammensetzung und Tätigkeit und den Menschen so ganzheitlich beansprucht. Zudem: Kirche lebt vom Zusammenkommen, und dies nicht nur im Gottesdienst. Neben der Liturgie zählen ja auch Verkündigung, Diakonie und Gemeinschaft zu den Grundfunktionen der Kirche. Und wenn ich zu dieser Kirche gehöre, so finde ich es richtig, an allen vier dieser Funktionen Anteil zu nehmen.

Steht bald noch ein neues Projekt an?

Ja, ein Schwimmkurs für Asylbewerber. Im Deutschkurs habe ich festgestellt, dass die meisten nicht schwimmen können, es indes gerne lernen würden. Unter denen, die jährlich in der Schweiz ertrinken, trifft es Migranten überproportional. Schwimmen ist meine bevorzugte Sportart und es war mir wichtig, es neben den kognitiven Fächern bis zu meiner Pensionierung 2012 unterrichten zu können. 2018 konnte ich mit Teilnehmern des Deutschkurses dank eines Entgegenkommens der SLRG Küsnacht dreimal für eine Stunde das Hallenbad für einen Mini-Schwimmkurs benützen. Nach vielen Bemühungen mit den Gemeindebehörden sind wir jetzt zuversichtlich, dass dieses Jahr ein richtiger Kurs von mindestens zehn Lektionen zustande kommt.

Eine neue Route für die Pilgergruppe

Mit welchen Themen beschäftigt sich der Pfarreirat im Jahr 2020? Wo liegt der Fokus?

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Mit der Pilgergruppe unterwegs

Neben schon länger laufenden Aktivitäten wie Bibelabenden, Ikonenschreiben, Kinderkirche, Offenes Tanzen und Projekt „Stern“ ist neu der „grüne Güggel“ ein wichtiges Projekt, das die ganze Pfarrei betrifft und das deshalb an der letzten Pfarreiversammlung auch ausführlich vorgestellt wurde. Ein neues Thema ist auch die Verbesserung der Beleuchtung in der Kirche. Neues erwartet auch die Pilgergruppe. Nachdem wir die Schweiz auf dem Jakobsweg von Konstanz bis Genf durchquert haben, werden wir im Herbst eine neue Route in Angriff nehmen, die uns von Basel aus über den Jura führt. Und ein weiterer Fokus liegt auf der Unterstützung des Seelsorgeteams, dabei kommt dem Pfarreirat eine Art Scharnierfunktion zwischen Kirchenvolk und Pfarreileitung zu.

Das Geld wird in der Pfarrei und für Projekte sinnvoll eingesetzt

Was ist das Besondere unserer Pfarrei?

Als die Pfarrei im Juli 2016 zum Freiwilligenfest einlud, war der grosse Saal des Pfarreizentrums voll. Das zeigte mir zweierlei. Erstens arbeiten sehr viele Leute in ganz vielfältiger Weise und in den verschiedensten Bereichen in unserer Pfarrei mit. Zweitens haben wir ein Seelsorgeteam, das diese Freiwilligenarbeit anerkennt und fördert. Alle meine eben erwähnten Pfarreiaktivitäten sind für mich nur möglich, dank der verlässlichen Zusammenarbeit mit anderen und dank der Unterstützung durch das Seelsorgeteam. Und dank meiner Frau! Dass in unserer Pfarrei vieles möglich ist, hängt natürlich auch mit der komfortablen finanziellen Lage unserer Gemeinde zusammen. Doch wird das Geld auch sinnvoll eingesetzt. Und zwar nicht nur in unserer Pfarrei, sondern auch für viele Projekte im In- und Ausland.

Was fehlt noch in unserer Pfarrei?

Auch wenn meine drei Kinder längst erwachsen sind: Ich vermisse eine aktive Jugendgruppe. Klar weiss ich, dass unsere Pfarrei eine ansehnliche Ministrantenschar hat und jeden Sommer mit Kindern ein stets früh ausgebuchtes Lager durchführt. Doch sind in unserem Pfarreileben, so wie ich es beurteile, Kinder und Jugendliche der Jahrgänge zwischen Erstkommunion und Firmung zu wenig präsent.

Herr Agazzi, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Wir wünschen Ihnen weiter viel Freude bei Ihren Tätigkeiten in der Pfarrei.

5 Antworten zu “Claudio Agazzi leistet wertvolle Dienste für die Pfarrei

  1. Diee Informationen waren höchst interessant rür mich. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht mehr so aktiv mitmachen wie früher und ich eigentlich gern möchte. Darum bin ich froh um den Newsletter. Vielen Dank dafür. Hannevreni Keller

  2. Vielen Dank, Claudio, für Deinen ausführlichen Bericht über Deine mannigfachen Tätigkeiten in der Pfarrei und über den Pfarreirat. Zu unserem Glück bist Du pensioniert, denn sonst könntest Du Dich nicht so stark bei uns engagieren!

  3. Ja, wir sind wirklich sehr froh um alle, die sich bei uns engagieren. So bekommt unsere Pfarrei ein menschliches Gesicht….

  4. Vielen Dank Claudio, für das was Du mit so viel Engagement für uns alle machst. Ich bewundere Dein Wissen und gleichzeitig Deine Bescheidenheit. Ich drücke Dir die Daumen für den Schwimmkurs! Kannst Du auch den Moon Walk von Michael Jackson?

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