Wochenimpuls

Wochenimpuls von Pastoralassistentin Esther Stampfer

Denkanstöße aus dem Leben und der Spiritualität von Bruder Klaus von Flüe

Mit sich selbst in Frieden leben

Von Jugend an ist das Leben von Bruder Klaus geprägt von der Sehnsucht nach dem „einig Wesen“. Sein radikaler Anspruch in seinem alltäglichen und politischen Handeln war, mit sich selbst im Reinen zu bleiben, ein gutes Gewissen zu haben. Sehnen wir uns nicht auch danach, uns selbst annehmen zu können, uns nicht fremd zu sein? Mit sich selbst in Frieden leben, konnte Bruder Klaus nur, wenn er Gottes Willen erkannte und befolgte. Für ihn ist es Gott, der zusammenfügt, der ganz, der „einig“ macht. So blieb er zeitlebens ein Gottsucher, bis er schließlich im Alter von 50 Jahren seinen Weg zum Frieden mit sich gefunden hat und sich als Eremit in die Klause (Ranft) zurückzog.

Gehen wir gemeinsam mit ihm ein Stück des Weges und nehmen wir uns Zeit, gemeinsam mit Bruder Klaus, dem wir am 25. September gedenken, auf unser Leben zu blicken:

WURZELN
Halt, Tiefe, Verankerung.

Meine Wurzeln, welche nähre ich?

Welche vernachlässige ich?

Bruder Klaus war sehr in seiner Heimat und tief in seinem Glauben verwurzelt. Nur so konnte er in einer gottfernen Welt gradlinig und konsequent bleiben und gegen den Strom schwimmen. Entschieden wandte er sich gegen die Gier von Ratsherren, Richtern, plündernden Mitsoldaten und des eigenen Ortspfarrers. Er ist ein Vorbild für jeden, der entschieden seinen Weg geht, bis er den ihm gemäßen Platz findet.

 

STILLE
Zur Ruhe kommen, hören, geschehen lassen.

Wie komme ich zur Stille?

Wann und wo nehme ich mir Zeit dafür?

Die Stille wurde im Leben des Bruder Klaus immer bedeutsamer. Bereits in der Jugend zog er sich täglich zurück. 20 Jahre lebte er schließlich in der Stille und Einsamkeit seiner Klause. Nur wer mit sich im Reinen ist, kann solche Stille und Einsamkeit aushalten. Wenn es still wird, so sagt ein Wort, geschieht am meisten. Alles Große braucht Stille, um im Menschen geboren zu werden. Für den Mystiker Bruder Klaus war die Stille der Raum, um leer zu werden und Gott zu hören.  „Denn Gott spricht im je Leiseren“.

 

HALT
Halt geben und gehalten sein.

Wo und wie erlebe ich gehalten sein?

Wo und wie gebe ich Halt?

Halt geben kann nur, wer Halt hat. Bruder Klaus hatte Halt, weil er in Kontakt mit seiner Sehnsucht blieb. Sein Weg nach innen bedeutete aber nicht, dass er sich von der Welt verabschiedete. Innerlichkeit zeigte sich bei ihm in der Offenheit für andere, in der sozialen Aktion, und eröffnete Einsichten, die anderen verborgen blieben.

Er war eins mit sich und konnte so seinen Frieden auf andere übertragen. In der Klause wurde er zum weithin gefragten Ratgeber und Friedensstifter.

 

BLICKWINKEL
Auszeit und Alltag.

Innehalten und zurückblicken. Altes neu sehen.

Bruder Klaus ermutigt uns, den Blickwinkel Gottes einzunehmen. Dieser erhebt uns über die Niederungen unseres Alltags und macht uns frei und gelassen. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Wenn der Mensch nichts für sich will, dann will Gott für ihn. Wenn Bruder Klaus gefragt wurde, warum er etwas tue, sagte er oft: „Gott will es so haben“.

„Nimm mich mir“, so betete der Mystiker, „und gib mich ganz zu eigen dir“.

 

LEBEN
Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.