Wochenimpuls

Der Wonnemonat Mai

von Pastoralassistentin Esther Stampfer

 

Der Mai ist ganz in mütterlicher Hand. Gerade erst haben wir Muttertag gefeiert und er gilt in der katholischen Kirche traditionell als „Marienmonat“. Die Gottesmutter wird in der christlichen Spiritualität als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings und seine überbordende Fruchtbarkeit verstanden und deshalb besonders im Mai verehrt. Oft wird sie als lieblich, demütig, gütig und barmherzig dargestellt.
So, als wäre sie ganz aufgegangen in ihrem Mutter-Sein. Als wäre diese Beziehung zwischen ihr und Jesus die absolute Erfüllung gewesen. Dabei zeigt uns die Bibel, dass es nicht so war.

Tagtäglich das Beste geben
Ich bin keine Mutter- aber ich habe eine und viele Freundinnen, die ebenfalls eine sind. Ich habe noch keine erlebt, für die das Muttersein immer nur schön und erfüllend war und es hat wenig mit den lieblichen und perfekten Darstellungen zu tun, die ich über Maria kenne. Dennoch sind sie alle Heldinnen für mich, weil sie tagtäglich das Beste für ihre Kinder geben.
Ich wünsche mir, unsere Marienfiguren und Texte würden mehr den mütterlichen Alltag widerspiegeln: Viel Liebe, aber auch viel Selbstaufgabe. Nie Zeit, um mal zur Ruhe zu kommen. Immer 100 Dinge gleichzeitig im Kopf haben. Immer irgendwo Essensreste. Augenringe. Überforderung und das Gefühl, alle anderen Mütter machen es besser. Ständige Vergleiche und gute Ratschläge von allen Seiten. Verunsicherung und trotzdem so viel Freude und Stolz.

Maria wäre heute noch eine starke Frau
Das mütterliche Idealbild einer liebreizenden und perfekten Frau, wie es die Kirche zeichnet, findet in unserer Zeit kaum noch Anklang. Es braucht einen neuen Zugang zu ihr. Denn Maria ist eine starke, mutige und hoffnungsvolle Frau und es lohnt sich, sich näher mit ihr zu beschäftigen.
Ich fände es schön, wenn irgendwann vielleicht auch eine realistische Marienverehrung in unsere Kirche einzieht, eine Darstellung, die etwas mit dem echten Leben zu tun hat und die Mütter unserer Zeit sieht und wahrnimmt und ihnen sagt: Ihr macht alles richtig. Ihr seid gut so, wie ihr seid.