Impuls

Ein Heiliger der Südsee …

Wenn man den Namen Chanel hört, denkt man wahrscheinlich schnell an Coco Chanel, heraus-ragende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts, die mit ihrem „Nr. 5“ in die Wunderwelt von Parfüm und Mode weist.
Gleichen Namens, lebte ein knappes Jahrhundert früher und bei uns fast völlig unbekannt: Pierre Chanel, Missionar und Märtyrer, welcher zu Lebzeiten scheinbar wenig Erfolg hatte. Dennoch auch hier Wunderbares: Kurze Zeit nach seinem Martyrium auf der Südseeinsel Futuna, bekehrten sich die Einwohner zum katholischen Glauben und tun dies bis heute noch fast ausnahmslos.

Biographien und dazu gehören auch Heiligen-Geschichten, geben uns faszinierende Einblicke in die Lebenswelt, das Denken, die Werte und das Streben einer anderen Person, von der wir lernen, nachahmen oder uns gar mit ihr identifizieren können. Die wichtigste Person für uns Christen ist natürlich Jesus; seine Biographie nennen wir Evangelium. Sich mit ihm identifizieren, nachzuah-men ist das gemeinsame Merkmal aller Heiligen. Unter den vielen Heiligen ist es auch mal spannend, sich mit den unbekannteren heiligen Männern und Frauen auseinanderzusetzen, umso die vielen Facetten, der Nachfolge kennenzulernen oder besser: die guten Geschichten davon zu hören, wie Gott unser Leben berührt.

Also: Wer war Peter Chanel, dessen Gedenktag heute am 28. April gefeiert wird, und was können wir von ihm lernen?

Als Sohn eines Schäfers wurde Peter in einfachen Verhältnissen 1803 in La Potière, Frankreich, geboren. Er wurde Priester und trat dem neuen Orden der Maristenpatres ein, um 1837 als Missionar in die Südsee geschickt zu werden. Seine Persönlichkeit und sein, für diese Zeit vielleicht eher untypisches Missionsverständnis, zeigt sich schön in einer Beschreibung seines Assistenten und Mitbruders:

„Er pflegte den Leuten von Futuna nichts abzuschlagen, nicht einmal denen, die ihn verfolgten. Er hatte stets eine Entschuldigung für sie und wies sie nie ab, auch wenn sie noch so lästig wurden. Er besaß eine beispiellose Freundlichkeit gegen alle, ganz ohne Ausnahme.“ Er war so starkmütig, lebensvoll und froh, dass Peter Chanel von den Insulanern „der Mann mit dem guten Herzen“ genannt wurde. Trotzdem hatte er wenig Erfolg, mehr noch, als der Sohn des Häuptlings Niuliki als einer der wenigen sich bekehren und taufen lassen wollte, ließ sein Vater Peter aus Zorn ermorden.

Bereits ein Jahr später als andere Missionare den Leichnam des Mitbruders bergen wollten, geschah es eben, dass immer mehr Einheimische um die Taufe baten, die Insel katholisch und Pierre Chanel Schutzpatron Ozeaniens wurde.

Pierres Zugang zur Welt, sein Schlüssel zum Erfolg war die Menschenfreundlichkeit; sein gutes Herz, jedem zugewandt sein, ohne Ausnahme. Er wird nicht immer gewusst haben, ob das was er tut Sinn macht, oder welchen Eindruck er bei anderen hinterlässt. Er zitierte gerne den Satz: „Einer sät, und ein anderer erntet“ und konnte so ohne viele Zukunftssorgen im Vertrauen auf Gott beruhigt handeln und seinen Kraft in den lebensvollen und frohen Dienst seiner Aufgabe stellen.
Das mag zwar nicht wie bei Coco Chanel zu Mythos und Reichtum geführt haben, wohl aber zeigen beide Personen, dass man in seinem Leben etwas beginnen kann, das fortdauert, das Bestand hat. Das gilt auch für uns, auch wenn wir es nicht immer sehen: Unser Leben ist von Gott berührt, das können wir von Pierre lernen und: Es geht weiter, auch über den Tod hinaus!

Thomas Jehle, Seelsorger