Und das Licht leuchtet in der Finsternis
Einer, der mit seiner ganzen Überzeugung für das Licht Christi einstand, dessen Lied singen wir immer wieder in der Adventszeit. „O Heiland reiss die Himmel auf“, im Kirchengesangbuch bei der Nummer 302. Am Ende des Liedes findet man ihn kleingedruckt als Verfasser des Liedes.
Friedrich Spee von Langenfeld, ein deutscher Jesuit. 1622 schreibt er das bis heute wohl schönste Adventslied. Er schreibt diesen Text während der dreißigjährige Krieg halb Europa verwüstet, die Pest die Überlebenden dahinrafft und der unselige Hexenwahn sich auf seinem Höhepunkt befindet. Der leidenschaftliche Ruf nach dem Retter und nach Rettung in diesem Lied („….reiss ab wo Schloss und Riegel für, wo bleibt du Trost der ganzen Welt…“) ist der Schrei der unschuldig Inhaftierten, der Gefolterten und Verbrannten dieser Tage. Pater Friedrich Spee begleitet die Frauen, die als Hexen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt sind als Beichtvater in ihrem Martyrium. Spee merkt bald, dass die Geständnisse dieser Frauen durch Folter erpresst sind. Er verfasst daraufhin eine leidenschaftliche Schrift gegen den Hexenwahn und für die Menschenwürde, die, obwohl anonym herausgegeben, auch ihn beinahe zum Opfer der Inquisition macht und in Lebensgefahr bringt. Spee kommt noch einmal davon, weil sein Orden sich für ihn einsetzt. Und tatsächlich ebben die Hexenverfolgungen nach Veröffentlichung seiner Streitschrift ab, bis sie wenig später ganz eingestellt werden. Spee selber erlebt dies nicht mehr. Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckt er sich an und stirbt 1635 im Alter von nur 44 Jahren.
Hat sein Leben und (frühes) Sterben sich gelohnt? Ja, denn Spee machte gepeinigten Menschen Hoffnung, zeigte, was Menschen erwarten dürfen: den Advent, das Kommen des Herrn. Er vertraute auf die Kraft seines Einsatzes, die Kraft der Poesie und seines leidenschaftlichen Wortes. Es ist das adventliche Vertrauen in den Herrn, der kommt. Es sollte auch uns auszeichnen.
Matthias Westermann, Diakon
