Zwei Mitarbeiterinnen gehen in den Ruhestand Geschrieben am

Elisabeth Braun und Gertrud Scherrer treten diesen Sommer den wohlverdienten Ruhestand an. Im Interview berichten die beiden Katechetinnen über diesen bevorstehenden neuen Lebensabschnitt und blicken noch einmal zurück auf ihre Zeit in Küsnacht-Erlenbach.

Die Begegnungen werde ich auch in den Ruhestand mitnehmen

Nach vielen Jahren Engagement in der Katechese verlassen Sie zum Ende des Schuljahres die Pfarrei und treten den wohlverdienten Ruhestand an. Wie geht es Ihnen damit?

Elisabeth Braun

Elisabeth Braun: Ich gehe in den sogenannten Ruhestand mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Begegnungen mit den Kindern, ihren Eltern und den ehrenamtlich Mitarbeitenden werde ich ganz sicher vermissen. Aber ich werde sie bis zu meinem Tod und darüber hinaus, so hoffe ich, im Gebet weiter begleiten und somit mit ihnen verbunden bleiben. Natürlich freue mich auch auf diesen neuen Lebensabschnitt, in dem ich meine Zeit ganz so einteilen kann, wie es für mich passt.

Gertrud Scherrer

Gertrud Scherrer: Ich habe die ganzen Jahre gerne gearbeitet. Kinder in die Welt des Glaubens einzuführen ist etwas Schönes. Aber natürlich freue ich mich auf den Ruhestand.

Spontane Kindergebete waren das Schönste

Im Rückblick auf so viele Jahre Religionsunterricht: Was war Ihr schönstes und was war Ihr traurigstes Erlebnis?

Elisabeth Braun: Ich möchte diese Frage gerne auf die Zeit in Küsnacht einschränken. Schönste Erlebnisse waren für mich zum Beispiel die Kinder, die beim spontanen Beten dem lieben Gott für das eigene Leben dankten und betonten, dass sie froh sind, dass es sie gibt! Oder die Gespräche mit den Kindern, wenn ich sie mit dem Auto zum Unterricht abgeholt oder nach Hause gebracht habe und die gemeinsamen Mittagessen mit den Kindern. Auch die spontane und verlässliche Hilfe und Unterstützung von Eltern und anderen Pfarreiangehörigen. Ganz besonders waren auch die Taufen von Unterrichtskindern im Klassenverband.

Schlimme Erlebnisse mit zum Teil schlaflosen Nächten gab es natürlich auch. Ich denke da an die letztjährige schwierige Stundenverteilung für den Religionsunterricht. Dadurch konnte ich die Erstklässler von Erlenbach, zu denen ich eine lebendige Beziehung aufgebaut hatte, teilweise auch mit den Müttern der Kinder, nicht mehr in die zweite Klasse führen. Oder die drei Viertklässlerinnen, die aus dem Religionsunterricht ausgetreten sind, nur, weil ich mit ihnen im November einen Friedhofbesuch gemacht hatte. Oder die Kinder, die direkt oder wenige Wochen nach dem Weissen Sonntag vom Religionsunterricht abgemeldet wurden.

Gertrud Scherrer: Es war natürlich schön zu spüren oder auch von den Eltern zu hören, dass die Kinder gerne in den Unterricht kamen und dann oft mit ganzer Begeisterung dabei waren, auch die schwierigen Jungs. Wie sie Jesus im Herz spürten und nach zwei Stunden Religionsunterricht immer noch nicht nach Hause wollten. Nicht so angenehm war, wenn sie sich stritten oder es lustig fanden, einander die Schuhe verstecken, sodass niemand sie fand. Einmal musste ein Junge im Winter mit einem Schuh und in Socken nach Hause gehen. Seitdem die Kinder am freien Nachmittag kommen, sind sie ruhiger und entspannter. Das hat natürlich auch mich entlastet.

Die Eltern haben eine zentrale Rolle

Aktiv im Familiengottesdienst

Sie haben unzählige Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Unterscheidet sich die Schülergeneration, die Sie zuletzt unterrichtet haben, von jener Ihres Berufsanfangs?

Elisabeth Braun: Von meiner Wahrnehmung her, ich unterrichtete in Küsnacht ja nur bis zur 6. Klasse, hat sich nicht viel geändert. Die religiösen Fragen, das Ringen um den Glauben, die Wahrheit und die Frage, ob Gott im persönlichen Leben auch ohne übernatürliche Wunder hineinwirkt. Ob er es ist, der mich gewollt hat, ob ich mich wirklich auf ihn verlassen kann und ob es ihn überhaupt gibt, ist, so wie ich es erlebt habe, an keine Generation gebunden. Wenn ich es mir so überlege, merke ich, dass es vor dreissig Jahren einfacher war, über das Leiden und den Sühnetod von Jesus zu sprechen. Leiden und Schuld auf sich zu nehmen für jemanden anderen wurde früher von den Kindern besser verstanden. Überhaupt der Gedanke, dass die Menschheit insgesamt Schuld vor Gott haben könnte, ist unverständlicher und fast nicht mehr aussprechbar geworden.

Gertrud Scherrer: Ich finde nicht, dass sich die Kinder sehr verändert haben. Mit den Jahren ist meine Erfahrung gewachsen und somit konnte ich auch mit den Kindern besser umgehen.

Hatten Sie auch die Eltern im Blick?

Elisabeth Braun: Die Unterstützung der Eltern garantiert das Gelingen oder Nichtgelingen einer guten und glaubwürdigen Vermittlung unseres christlichen Glaubens. Eltern sind das «A und das O» dafür. Als Katechetin bin ich auf sie angewiesen. Sie waren in meinem Unterricht unsichtbar immer anwesend.

Gertrud Scherrer: Mein Kontakt mit den Eltern war regelmässig und gut, auch wenn ich nicht alle Wünsche und Erwartungen vor allem zum Thema Unterrichtszeiten erfüllen konnte. Eltern haben nach wie vor grosses Interesse am Religionsunterricht und ich beziehe die Eltern auch gerne in meine Arbeit mit ein und gebe ihnen Feedback zu den Kindern. Es gab immer wieder auch Eltern, die ganz konkret mitgeholfen haben.

War Küsnacht Ihre erste Arbeitsstelle?

Elisabeth Braun: Ich arbeitete seit 1974 an verschiedenen Orten im kirchlichen Dienst. Die Tätigkeit in der Pfarrei Küsnacht-Erlenbach ist für mich das Tüpfelchen auf dem „i“. Die Erfahrungen, die ich seit 2014 hier machen durfte, sind der perfekte Abschluss. Ich werde mich gerne an die Menschen und an die Ereignisse in dieser Pfarrei erinnern.

Gertrud Scherrer: Erlenbach und Küsnacht war meine erste und letzte Arbeitsstelle. Die Ausbildung absolvierte ich von 2000 bis 2003 an der Religionspädagogischen Fachstelle in Zürich, mit Praktika in Saatlen und Schwamendingen. Interessant ist, dass ich mit 14 anderen Personen die Ausbildung begann und nur vier diese auch abschlossen. Aus dieser Zeit habe ich immer noch Freundschaften, die mir wichtig sind.

Der etwas andere Abschluss wegen Corona

Wie haben Sie in Ihrem Arbeitsfeld und privat die Monate mit den vielen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erlebt?

Elisabeth Braun: Die erste Welle war für mich so etwas wie ein Schock. Ich fühlte mich zum ersten Mal alt, weil ich zu denen gehörte, die nicht mehr einkaufen gehen sollten. Durch die Briefe, mit denen ich versuchte, mit den Kindern vom Religionsunterricht in Kontakt zu bleiben und religiöse Inhalte zu vermitteln, vertiefte sich die Beziehung vor allem durch WhatsApp auf andere Art und Weise mit den Familien. Im Nachhinein finde ich, war es trotz allen Ängsten und Unsicherheiten, die damit verbunden waren und noch sind, eine eben anders «gute Zeit», die hoffentlich doch bald vorbei sein wird.

Gertrud Scherrer: Ich habe es eigentlich noch gut überstanden. Ich bin grundsätzlich zufrieden mit dem, was ich habe. Natürlich hat mir der Umgang mit den Familien meiner eigenen Kinder sehr gefehlt. Aber so ging es ja noch vielen in dieser speziellen Zeit.

Haben Sie sich für den Ruhestand speziell etwas vorgenommen?

Elisabeth Braun: Ja. Ich möchte noch ein paar Reisen machen. Ich war noch nie in Israel. In Santiago de Chile möchte ich an das Grab von zwei Freunden, die ich vor dem Ausbruch von Corona besuchen wollte. Jetzt kann ich leider nur noch Blumen auf ihr Grab legen. Auch Italien mit dem Wallfahrtsort Manopello ist ein Ziel, das ich mir vorgenommen habe. Mal sehen, was daraus wird. Ich empfange auch sehr gerne Besuche von ehemaligen Kindern, die ich im Religionsunterricht hatte und jetzt schon eigene Familien mit Grosskindern haben. Die Zeit, so spüre ich, rennt mir jedenfalls jetzt schon davon.

Gertrud Scherrer: Ich möchte gerne die eine oder andere Reise unternehmen, etwas mehr Sport machen und natürlich Freunde und Bekannte treffen. Vielleicht versuche ich die Dinge, die mir im Religionsunterricht wichtig waren, bei dem einen oder anderen Besuch im Altersheim miteinzubringen.

Vielen Dank für den langjährigen Einsatz und das geleistete Engagement! Wir wünschen für den Ruhestand alles Gute!

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