Personeller Neuanfang in Chur Geschrieben am

Der neue Bischof hat sein Versprechen wahr gemacht. Noch vor Ablauf der angekündigten 100-Tage-Frist präsentierte Joseph Bonnemain die Riege seiner neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bischofsrat. Dieses wichtigste Führungsgremium des Bistums Chur war bis anhin durch die Querelen und Animositäten der ausschliesslich priesterlichen Mitglieder und die Führungsschwäche des Diözesanbischofs weitgehend blockiert. Nun sieht das wohl anders aus. Aus diesem Gremium ein wirklich kompetentes Führungsteam zu bilden, scheint Bonnemain gelungen.

Die ersten Frauen im Bischofsrat Chur

Offensichtlich sind alle Mitglieder Personen seines Vertrauens. Hinzu kommt: Zum ersten Mal sitzen mit Brigitte Fischer Züger und Donata Bricci im Bischofsrat zwei Frauen, die im Bistum allgemein geschätzt werden. Die eine als rechte Hand des Generalvikars der Urschweiz, die andere seit 2017 als Kanzlerin des Bistums. Hinzu kommt aus Zürich mit Urs Länzlinger ein Diakon und Familienvater mit jahrelanger Verantwortung in leitenden kirchlichen Positionen.

Ernannt hat Bischof Joseph auch drei neue Generalvikare. Das Durchschnittsalter der neuen Generalvikare liegt übrigens gerade einmal knapp über 50 Jahre und ist für kirchliche Verhältnisse somit sensationell niedrig. Nachfolger für den Zürcher Generalvikar Josef Annen für Zürich und Glarus wird der Jüngste der drei, der Pfarrer von Dübendorf und Mitglied des Synodalrats Luis Varandas. Anfänglich im Kanton Zürich von vielen misstrauisch beäugt, weil er als Subregens unter Weihbischof Marian Eleganti Mitverantwortung für das Priesterseminar trug, hat er durch seinen jahrelangen Einsatz in Synode und Pfarrei viel Vertrauen erworben.

Personal ist schwierig zu finden

Keine Überraschung ist die Ernennung des Schwyzer Pfarrers Peter Camenzind als Generalvikar für die Urschweiz. Dieses Amt hatte er schon interimistisch inne. Camenzind gilt als ruhige und ausgleichende Person und als Priester mit grossem geistlichem Gespür. Durch sein jahrelanges Engagement als Vorsitzender des Priesterrates kennt er ausserdem die Schwierigkeiten und Spannungen innerhalb des kirchlichen Personals nur zu gut.

Nachfolger des Generalvikars von Graubünden, Andreas Fuchs, wird der Pfarrer von Zürich-Oerlikon, Jürg Stuker. Fuchs, der als Huonder-Vertrauter gilt, übernimmt nun als Bischofsvikar den eher überschaubaren Arbeitsbereich des ehemaligen Weihbischofs. Graubünden ist Jürg Stuker aus seiner Zeit als Pfarrer von St. Moritz noch vertraut. Er gilt als konservativ, aber gesprächsbereit und kommunikativ.

Während bei Luis Varandas klar ist, dass er sein Amt am 1. Mai antritt, ist das bei den anderen beiden die neuen Generalvikare noch unklar. Alle drei führen grosse Pfarreien und diese lassen ihre Pfarrer nur ungern ziehen. Auch eine Nachfolgeregelung lässt sich nicht über Nacht organisieren. Bei Luis Varandas hat das schneller geklappt, weil er die Gemeindeleitung mit einem anderen Pfarrer geteilt hat. Dies ist ein Hinweis, wie dünn inzwischen die Personaldecke im Bistum geworden ist. Dies gilt auch für die wichtige Entscheidung, wer künftig das Priesterseminar führt oder ob der neue Bischof dem amtierenden Regens, Martin Rohrer, sein Vertrauen schenkt.

Der langersehnte Wendepunkt der Stimmungslage im Bistum Chur

Weiterhin darf spekuliert werden, ob es in den kommenden Monaten für das Bistum Chur einen neuen Weihbischof geben wird. Allenfalls könnte dieser sogar seinen Sitz in Zürich nehmen und somit die Frage eines Doppelbistums Chur-Zürich neu angehen. Da der in den Medien für Führungspositionen im Bistum häufig genannte Pfarrer Andreas Rellstab von Zürich-St. Anton bis anhin leer ausging, wird allgemein vermutet, dass dieser ein Kandidat für das Bischofsamt sein könnte. Dies zumal sich ein junger Weihbischof in wenigen Jahren als Nachfolger für Bonnemain anbietet.

Immer noch ausstehend ist die Einberufung der bischöflichen Räte der Priester, sowie der Laientheologen und Diakone. Diesen, unter einem Bischof Vitus stiefmütterlich behandelten, Gremien kommen, für die pastorale Schwerpunktsetzung und deren Akzeptanz beim kirchlichen Personal, eigentlich eine wichtige Aufgabe zu. Ihre Zusammensetzung ist somit nicht unwesentlich für die Stimmungslage im Bistum Chur und die Unterstützung der Reformanliegen des neuen Bischofs. Dass es diesem Ernst ist, mit „heilsamer Unruhe“ sein Bistum voranzubringen, daran zweifelt in Kirchenkreisen im Moment noch niemand.

Matthias Westermann

2 Antworten zu “Personeller Neuanfang in Chur

  1. Ich wohne seit 1945 in Küsnacht. Es ist das erste mal in diesen Jahren, dass sich so viele, verschiedene Menschen über den neu gewählten Bischof freuen! Ich auch! Ich wünsche von Herzen gutes Gelingen!!!

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