Der Schoggi-Osterhase

Ostern alla Italiana Geschrieben am

Jeder von uns hat aus der Kindheit eigene Erinnerungen an Ostern. Gerade in Familien, in denen mehrere Kulturen aufeinander treffen, werden verschiedene Bräuche miteinander vereint. So auch bei Pfarreiratsmitglied Gabriella Gebbia-Calderoni. Sie berichtet aus ihrer Kindheit und zeigt uns den Weg von der italienischen Colomba zum Schweizer „Eiertütsche“

Gabriella Gebbia-Calderoni über Ostern im Süden

Gabriella Gebbia-Calderoni

Mein Vater machte das Kreuz-Zeichen, wie jedes Mal, wenn wir eine längere Autofahrt vor uns hatten, und dann fuhren wir los. Es dauerte nicht lange, und schon standen wir im wohlbekannten Osterstau Richtung Süden. Meine Eltern brauchten viel Geduld, bis sie mit uns vier Kindern auf dem Rücksitz endlich in den frühen Abendstunden in unserem Ferienhaus ankamen. Es erwarteten uns feuchte Betten und eiskalte Fussböden. Die Radiatoren funktionierten zwar bald einmal, doch die erhoffte Wärme gaben sie nicht so schnell ab. Und so kam es, dass ich am nächsten Morgen zuerst mit geschlossenen Augen Richtung Badezimmer tappen musste, um mit warmen Wasser meine zugeklebten Augen auszuwaschen.

Draussen schien, wie gewohnt, bereits die Sonne und wir freuten uns über die wohltuende Wärme. Während meine Mutter sich an die Hausarbeiten machte und die Wohnung für Ostern vorbereitete, und mein Vater die nötigen Gartenarbeiten verrichtete, konnten wir es kaum erwarten, dass unser Vater mit uns spielte. Er lehrte uns Spiele aus seiner Kindheit, und auch wir gaben unsere aus Kindergarten oder Schule zum Besten. Meistens genügten uns Steine und Stecken. Die Boccia-Kugeln, das Federball-Set oder ein Ball kamen aber auch regelmässig zum Einsatz.

Leckereien und ein Coiffeurbesuch zu Ostern

Unvergesslich bleibt mir auch die Erinnerung des Grosseinkaufes im nahegelegenen Einkaufszentrum am nächsten Tag. Für die Ostertage wurde viel eingekauft: feine Antipasti, Fisch und Fleisch, viel Gemüse, für jedes Kind ein KINDER-Schokoladen-Ei mit Überraschung und natürlich «la colomba», ein typisches italienisches Ostergebäck, das am Ostersonntag nicht fehlen durfte.

Zufrieden ging es dann weiter zum Coiffeur. Man kannte sich, und es war jedes Mal nach der langen Winterpause ein grosses Hallo, bis wir alle bedient wurden. Zum Glück hatte es vor dem Eingang einen kleinen Park, wo wir Kinder uns die Zeit vertrieben, bis meine Mutter endlich mit frisch gelocktem Haar, schön lackierten Fingernägeln und passendem Lippenstift strahlend aus dem Lokal kam.

Vom Eierfärben zum Osterkörbli

Am Ostersonntag legte meine Mutter grossen Wert darauf, dass wir schön angezogen waren. Oft kamen Freunde zu Besuch oder wir wurden eingeladen. Daher gingen wir selten gemeinsam zum Gottesdienst in der nahe gelegenen Kirche. Einmal entschieden meine ältere Schwester und ich, alleine hinzugehen. Leider wurde es ihr wegen des vielen Weihrauchs schlecht, sodass wir das Gotteshaus frühzeitig wieder verlassen mussten.

Jahre später lernte meine Mutter mit Wiesenblumen, Gräsern und Zwiebelschalen wunderschöne Ostereier zu färben, und so nahm die Schweizer Tradition des Eier-Tütschen auch in unserer Familie an Ostern Einzug.

Die Erinnerungen an die Osterzeit meiner Kindheit gehören auch jetzt noch dazu. Doch jede Familie baut irgendwann eigene Traditionen auf. So änderten sich auch meine Traditionen mit dem Zuwachs meiner Kinder. Mit meinen Kindern begnügte ich mich, etwas Kleines zu basteln und die Osterkörbchen zu füllen, und diese im Garten zu verstecken. Wenn dasjenige mit dem weissen Schokoladenhasen gefunden wurde, war es das meine.

2 Antworten zu “Ostern alla Italiana

  1. Lieben Dank an Gabi – auch ich kenne klamme Betten und eiskaltes Geschirr in der Küche, wenn wir nach stundenlangem Autostau spätnachts ins Haus im Tessin wankten, das Warmwasser einschalteten und schlottend unsere Siebensachen versorgten.
    Ob Christbaum oder Osterhasen – scheint überall ähnlich zu sein.
    Jetzt sind es die Enkel, die zwar nicht mehr an den Osterhasen glauben, aber dennoch Eier färben, Nestli basteln, diese frühmorgens im Garten verstecken und sich riesig freuen, wenn wir Erwachsenen die Briefchen und Schoggis finden……….so auch dieses Jahr, als uns nach zwei Regen-Nebel-Grüsigtagen am Ostermorgen strahlend blauer Himmel und weiss verschneite Bergspitzen begrüssten. Frohe Grüsse Daniela Lauber

  2. Ich bin wirklich froh, dass Gabriella Gebbia bereit war, zum Osterfest diese Erfahrungen mit den Leserinnen und Lesern unseres Newsletter zu teilen.

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