Das Ei an Ostern

Der Ursprung liegt im Ei Geschrieben am

Für Pfarradministrator Karl Wolf hat Ostern einen ganz speziellen Wert. Das Ende der Fastenzeit, das Osterfeuer, die Ostermesse – und auch das Osterei. Vieles ist auf das Ei zurückzuführen. Lesen Sie hier, warum das Ei mehr als ist nur eine angemalte Dekoration ist und welch tiefer Sinn hinter den Osterbräuchen verborgen ist.

Pfarrer Wolf berichtet:

Karl Wolf

Als ich ein Kind war, gab es am Ostersonntag den Brauch, die Ostereier draussen im Garten zu verstecken. Und bis heute müssen die Kinder ihre Ostereier suchen und es ist eine riesige Freude, wenn die bunt verzierten Kunstwerke gefunden werden.

Am Tag darauf – am Ostermontag – gab es einen grossen Brauch, einen Wettstreit. Alle, Erwachsene und Kinder, gingen auf die Dorfwiese und brachten ihre je ganz unterschiedlich, wunderbar bemalten, Ostereier mit. Dann wurden die Eier in die Luft geworfen. Gewonnen hatte, wer sein Ei am höchsten werfen konnte und dessen Ei bei der Landung im Gras nicht zerbrochen war. Wie ein König fühlte ich mich, wenn ich eine Runde gewonnen hatte.

Das Ei gehört zu Ostern. Es ist im Ursprung das Ei – dessen Schale von neuem Leben durchbrochen wird. Die Schale bricht und hervor kommt wundervolles neues Leben.

Ostarun, Easter, Ostern

Sehr alt ist das westgermanische Wort: ostarun. Es ist ein Verweis auf den Ort des aufgehenden Lichtes. Nach dem Dunkel des Winters bricht in der Natur neues Leben auf. Verbunden waren die Nächte mit dem Osterfeuer: Mitten im Dunkel der Nacht bricht das Licht des neuen Tages an. So ist dies in der englischen Sprache noch erhalten: Osten – Easter – Sonnenaufgang aus dem Osten, der Frühlingsanfang als Jahreszeit des hervorbrechenden neuen Lebens.

Diese uralten Bedeutungen treffen sich mit dem Aufbruch, dem Pascua, dem Pascha, dem Vorübergang des Herrn, als die Israeliten aus Ägypten aufbrachen. Vorüber ist die Sklaverei, nach einer dunklen Zeit bricht wie aus dem Dunkel neues Licht, eine Hoffnung auf ein besseres Leben in einem neuen verheissungsvollen Land auf. Aus dem zum Tod bedrohlichen Gefangensein ersteht durch Gottes Eingreifen ein neues Leben.

Schliesslich verbinden sich die symbolischen Linien mit den realen Ereignissen in Jerusalem vor 2000 Jahren. Als Jesus von Nazareth am Kreuz starb, da dachten alle, jetzt ist es aus. Es gibt keine Hoffnung mehr. Wir Menschen bleiben Gefangene der Bosheit auf dieser Erde. Angst und Verzweiflung ergriff selbst seine Freunde und die, die ihn am besten kannten.

Hoffnung nach der Dunkelheit

Aber aus dem Dunkel brach etwas Neues auf: Der Vater liess den Sohn nicht einfach im Tod. Der Schöpfer des Lebens schuf in Christus einen neuen Anfang. Die Schale des alten Irdischen wurde durchbrochen und hervor trat der neue Mensch und mit ihm die Verheissung für eine neue Art Menschsein auf dieser Erde. Es ist eine Einladung für alle, die auf der Suche nach dem Leben sind. Alle können die Ängste und Verzweiflung aus ihrer Sklaverei abwerfen und die alten Schalen durchbrechen.

Bis heute liegt in der Beziehung zu Gott und seinem Auferstandenen die Freiheit zu einem Leben aus einer neuen Geisteskraft. Ein Mensch, dessen Inneres von Dunkel verschattet ist, kann mit Gott wieder Hoffnung fassen. Ein Mensch kann mit Jesus, dem Auferstandenen, alte „Schalen“ durchbrechen – Verhaltensmuster, die ihn gefangen halten und einschränken, abwerfen. Es ist nicht nur ein Kleiderwechsel, sondern ein Lebenswandel, ein grundsätzlicher Wandel, ein neues Leben im wirklich neuen Gewand gemeint – wie ein Küken dem Ei wirklich entkommt.

Bis heute entzünden wir deshalb in der Nacht ein Osterfeuer und nehmen Stellung, dass im Dunkel, selbst in der Mitte der Nacht das Aufstehen zu einem neuen „königlichen“ Leben möglich ist.

Es ist möglich, wie aus Gottes Kraft, alte Lebens-Muster zu verlassen – Altes fauliges Wasser auszuschütten und neues Wasser zu schöpfen. So dürfen wir aus frischer Quelle trinken und für ein Leben miteinander Kraft schöpfen, das für alle in der Menschheitsfamilie heilsam ist. Deshalb tun wir genau das in der Osternacht. Wir schaffen den alten Sauerteig weg und halten Mahl mit neuem Brot.

Damit neues Leben entsteht – „wie aus dem Ei gepellt“.

Pfarradministrator Karl Wolf

3 Antworten zu “Der Ursprung liegt im Ei

  1. Dieser Bericht, so wahr er sein mag, ist für mich sehr sehr kompliziert, und ich kann mir vorstellen, dass dies nicht nur mir so vorkommt. Für einen Historiker ist er sichr optimal. Für mich ist Christus, aus Liebe zu uns, in einer schrecklichen Zeit wie heute, gestorben. Was mich immer erschüttert ist, dass diese schreckliche Zeit andauert… wo auch immer. Und ich hoffe, dass es uns irgendwie möglich ist, Frieden zu stiften.

  2. Ich liebe solche verlängerten Predigten. Danke für einige Erklärungen, die mir neu sind.
    Das Eieranmalen gehört seit meiner frühesten Kindheit zum Ostersamstag wie das Eiersuchen im Gras.
    Ostern 2018 wird für mich als besonders beglückende Zeit in Erinnerung bleiben.Auch hier danke.

  3. Wir vom Redaktionsteam haben Pfarradministrator Karl Wolf gebeten, das Osterfest mit seinen „Gedanken zum Nachlesen“ zu bereichern. Es ist ja eine ganz andere, aber doch auch sehr bereichernde Sichtweise, wenn man dies aus dem Erfahrungsschatz eines Priesters und Psychologen tut…..Für jede Sichtweise aber gilt: Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Der Tod, der Hass, der Unfriede – sie haben nicht das letzte Wort!

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