Jerusalem leuchtet in der Abendsonne: Tempelberg mit der goldenen Kuppel des Felsendoms

Osterimpressionen aus Jerusalem Geschrieben am

Pastoralassistent Thomas Jehle hat einige Monate in der Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem studiert und gelebt. Seine Erinnerungen an Ostern vor Ort sind noch so präsent, als wäre es gerade gestern gewesen.

Das Leben Jesu

Österliche Menschen dürfen wir sein, in der Hoffnung und durch das Licht der Auferstehung Christi erlöste Menschen werden. Dieses Gefühl bricht sich Bahn nach langer Fastenzeit. Von der Liturgie meisterhaft so eingerichtet, lässt sie uns die ganze Geschichte des Volkes Gottes und des Lebens Jesu durchleben. Wir verknüpfen unser persönliches christliches Leben damit. Sowohl in seinen Tief- (Karfreitag) als auch Höhepunkten (Ostern). In der Heiligen Woche ist dies alles verdichtet mitzuerleben, mitzuleiden, um miterlöst zu werden.

Vor Ort das Geschehen zu erleben ist eindrücklich

Vom Ölberg her kommender Einzug in Jerusalem, Foto: Thomas Jehle

Symbole, heilige Zeichen, Riten und Orte sind wichtig für unseren Glauben. Ein Ort, das Heilige Land und die Stadt Jerusalem, wo ich studieren durfte, sticht dabei ganz besonders hervor. Ostern in Jerusalem heisst an den Orten zu feiern, wo alles geschah. Darum denke ich auch heute noch gerne an dieses besondere Osterfest zurück. Eindrücklich der Palmsonntag: Vom Ölberg, wo sich alle versammeln, nimmt der lateinische Patriarch den Weg, den auch Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem beschritten hat. Begleitet wird er von einer grossen Volksmenge, in ihren Händen echte Palmzweige. Auch ausserhalb von Jerusalem wird das gemacht, dann steht jede Kirchentür für das Stadttor Jerusalems. Wenn man aber dort sein kann und tatsächlich durch die mittelalterlichen Tore Jerusalems einzieht, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Man stellt sich unwillkürlich vor, wie die Szene vor zweitausend Jahren ausgesehen haben könnte.

 

Die drei österlichen Tage

Am Stadttor von Jerusalem, Foto: Thomas Jehle

Dann das «Triduum Paschale», die drei Tage, die wie ein einziger gefeiert werden: Mit dem Gründonnerstagsgottesdienst, an dem Ort, wo Christus der Überlieferung nach das letzte Abendmahl gefeiert und die Eucharistie eingesetzt hat, bei der Dormitio, dem Kloster, wo ich gewohnt und das meiste mitgefeiert habe. Dann die Karfreitagsliturgie, die grosse Stille am Karsamstag und der Höhepunkt aller liturgischen Feiern, die lange und wunderschöne Osternacht.

Gottesdienst in der Dormitio-Abtei, Foto: Thomas Jehle

In der Osternacht den Sonnenaufgang erwarten

Die Osternacht begann um drei Uhr nachts in absoluter Finsternis mit dem Entzünden des Osterfeuers im Hof. Es wurden, was selten ist, alle sieben Lesungen vorgetragen. Dies dauert zwar lange, eröffnet aber den ganzen theologischen Erzählbogen vom Schöpfungsbericht der Genesis, dem Auszug aus Ägypten, die Passagen der Propheten über den Römerbrief (Taufe durch den Tod hindurch) bis zum Osterevangelium. Es geht so lange, und das ist bewusst so gewollt, dass man merkt, wie im Kirchenraum die Dunkelheit langsam schwindet und die Sonne im Osten, das Symbol der Auferstehung Christi, am Ostermorgen strahlend aufgeht. Ein echtes Erlebnis für alle Sinne. Danach ist man zwar etwas müde und hungrig, aber nach einem stärkenden Frühstück im Speisesaal ist man bereit für das folgende Osterhochamt.

Die Osterfeier unterscheidet sich je nach Kalender und Konfession

Als ich in Jerusalem lebte, feierten die meisten Konfessionen Ostern am gleichen Datum. Dies geschieht trotz der unterschiedlichen Kalender manchmal. Wenn nicht, ist Ostern in Jerusalem eine fantastische Gelegenheit, auch die Feiern anderer Konfessionen kennenzulernen. Besonders die Grabeskirche hat einiges zu bieten. Zum Beispiel das Osterfeuer der Äthiopier auf dem Dach oder das Heilige Feuer der byzantinisch Orthodoxen. Dies soll sich jedes Jahr auf wundersame Weise selbst entzünden und wird via Flugzeug in viele orthodoxe Staaten gebracht, ähnlich unserem Friedenslicht von Betlehem.

Die Ostermesse in der Grabeskirche wird täglich gefeiert

Aber auch wer an diesen besonderen Tagen nicht in Jerusalem sein kann, hat die Möglichkeit dort Ostern zu erleben. Denn tatsächlich wird am Ort der Auferstehung, beim leeren Grab in der Grabeskirche, jeden Tag nur diese eine, die Ostermesse gefeiert. Während wir sonst in der Liturgie immer wieder das Kirchenjahr durchschreiten, deutet dies darauf hin, dass doch eines klar ist: Christus ist wahrhaft auferstanden.

Eine Antwort zu “Osterimpressionen aus Jerusalem

  1. Danke lieber Thomas für diese eindrücklichen Impressionen. Gibt Kraft und gleichzeitig Lust, dies mal selber „live“ vor Ort zu erleben. Liebe Grüsse, Louis

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