„Ich will ein Hörender sein“ – Interview mit Dekan Dr. Adrian Lüchinger Geschrieben am

Der Horgener Pfarrer und Dekan des Dekanats Albis, Adrian Lüchinger, wurde Ende letzten Jahres zum Präsidenten des diözesanen Priesterrates gewählt. Dieser Rat, wie auch der Rat der Theologinnen, Theologinnen und Diakone (RTD), war durch die lange Vakanz auf dem Churer Bischofsstuhl über mehrere Jahre sistiert. Unter Bischof Joseph Bonnemain wurde die Ratsarbeit nun wieder aktiviert. Diakon Matthias Westermann hat den neuen Präsidenten dazu befragt. Warum Adrian Lüchinger eine besondere Beziehung zu unserer Pfarrei hat, lesen Sie am Ende des Interviews.

Dekan Adrian Lüchinger
Dekan Adrian Lüchinger
Foto A. Landtwing

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl und Ernennung als Präsident des Priesterrates. Nicht jedem im Bistum ist dieses Gremium vertraut. Was ist seine Aufgabe?
Der Priesterrat ist ein Beratungsgremium des Bischofs, welches sich aus Priestern aller Altersgruppen und Regionen der Diözese zusammensetzt. Der Priesterrat berät und unterstützt den Bischof bei der Leitung der Diözese. Darüber hinaus befasst er sich mit aktuellen pastoralen Fragen, zum Beispiel mit dem synodalen Prozess und ähnlichem. Der Priesterrat arbeitet eng mit dem RTD zusammen. Beide Räte tagen in der Regel am gleichen Tag, am selben Ort und halten einen Teil ihrer Sitzung gemeinsam ab.

 

Die neue, offene Gesprächskultur ist motivierend

Unter Bischof Vitus Huonder war ja die Arbeit im Priesterrat nicht ganz einfach und für viele Ratsmitglieder auch recht frustrierend. So war zumindest mein eigener Eindruck nach der Teilnahme an verschiedenen Sitzungen. Was wird sich unter dem neuen Bischof in diesem Gremium ändern?
Der Priesterrat hat sich am 1. Dezember 2021 zu seiner konstituierenden Sitzung in Einsiedeln getroffen. Ich habe die Sitzung und den damit verbundenen Austausch als ausgesprochen konstruktiv erlebt. Zum positiven Gesprächsklima hat ganz gewiss die offene, hörende Haltung von Bischof Joseph Maria beigetragen. Als Präsident des Priesterrates hatte ich nie das Gefühl einfach nur Befehlsempfänger zu sein. Viele meiner Ratskollegen teilen diesen Eindruck und schätzen die offene Gesprächskultur im Priesterrat. Gleichwohl sind wir uns alle der grossen Herausforderungen bewusst, der sich die Kirche in unserer Diözese in den kommenden Jahren stellen muss.

Sie gehören zu den sechs neu ernannten Domherren. Das Domkapitel ist, vorsichtig formuliert, ja auch kein konfliktfreies Gremium. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die erste Sitzung?

Gruppenfoto der neuen Domherren bei ihrer Amtseinsetzung im Januar 2022 in Chur
Amtseinsetzung der neuen Domherren in Chur
Foto Bistum Chur

Dass das Domkapitel kein konfliktfreies Gremium ist, ist allgemein bekannt. Aber in welchem Gremium herrscht immer nur eitel Freude und Sonnenschein? Denken Sie zum Beispiel an die diversen Konflikte in unseren Kirchgemeinden. Als neu ernannter Domherr werde ich primär als Hörender an der ersten Sitzung teilnehmen und gleichzeitig versuchen, meine Standpunkte konstruktiv einzubringen. Gemeinsames Streben aller Domherren muss stets das Wohl der Menschen in unserem Bistum sein. Dafür will ich mich mit meinen Kräften und meiner pastoralen Erfahrung einsetzen.

 

Durch gegenseitiges Zuhören finden wir den Weg in die gemeinsame Zukunft

Wie schätzen Sie im Moment die Stimmungslage in unserem Bistum ein?
Das Bistum Chur durchlebt seit Jahrzehnten schwierige Zeiten. Viele erhoffen sich vom neuen Bischof und vom weltweiten synodalen Weg einen „Booster“. Die grosse Herausforderung wird sein, allen Erwartungen gerecht zu werden. Solches kann, meiner Ansicht nach, nur gelingen, wenn wir uns ernsthaft darum bemühen, uns gegenseitig zuzuhören und nicht allein versuchen, auf die eigenen Standpunkte zu pochen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Vergangenheit aufzuarbeiten, Wunden zu heilen und entstandene Gräben zu überbrücken. Das allein können wir aus eigenen Kräften nicht bewerkstelligen. Aber die Kirche lebt ganz wesentlich aus dem festen Vertrauen, dass sie sich in all ihrem Tun nicht allein auf menschliche Kräfte verlassen muss. Sie darf und kann auch auf das Wirken des Heiligen Geistes hoffen.

Sie sind schon viele Jahre in der Pfarreiseelsorge ganz verschiedener Pfarreien engagiert. Was hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte im Wirken und in der Akzeptanz eines Priesters geändert?
Ich denke, die Akzeptanz eines Priesters hängt immer von seinem Umgang mit den ihm anvertrauten Menschen ab. Ein Priester soll im Idealfall ein Hörender sein, der seine Freude am Evangelium den Menschen authentisch zu vermitteln versucht. Genährt wird diese Freude aus dem Gebet und der Feier der Sakramente. Diesen Wurzelgrund in aller Geschäftigkeit und Führungsaufgaben des Pfarreilebens nicht zu vernachlässigen, halte ich für eine der grössten Herausforderungen, der sich ein Priester immer wieder neu stellen muss.

 

Die Ikone des Heiligen Georg begleitet mich jeden Tag

Küsnacht ist Ihnen ja nicht ganz unvertraut, denn Sie haben hier in den 90er-Jahren die ersten Schritte in der Seelsorge gemacht. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit hier?

Heiliger Georg in der Pfarrkirche
Heiliger Georg Pfarrkirche St. Georg

Ich kann vorbehaltlos sagen, dass ich mit grosser Freude und ebensolcher Dankbarkeit auf meine Küsnachter Jahre zurückblicke. In Küsnacht durfte ich meine ersten pastoralen Erfahrungen sammeln. Dabei bin ich stets auf Menschen gestossen, die mir mit grossem Wohlwollen begegnet sind und mich auf meinem Ausbildungsweg tatkräftig unterstützt haben. Das gilt sowohl für die Küsnachter Pfarreiangehörigen, als auch für den damaligen Pfarrer, Albin Keller und alle Mitarbeitenden des Pfarramts St. Georg. Noch heute hängt daher jene Ikone des hl. Georgs über meinem Bett, die mir anlässlich meiner Priesterweihe von der Pfarrei geschenkt wurde. In Küsnacht wurde ich zum Diakon geweiht und durfte meine Primiz, verbunden mit einem grossen Pfarreifest, feiern. Für mich persönlich sind das ausgesprochen wertvolle Erinnerungen, die mich bis heute prägen und für die ich sehr dankbar bin. So gesehen hat die Pfarrei St. Georg bis zum heutigen Tag einen festen Platz in meinem Herzen.

 

Wir wünschen alles Gute und Gottes Segen für Ihre Arbeit in der Pfarrei und für das Bistum.

2 Antworten zu “„Ich will ein Hörender sein“ – Interview mit Dekan Dr. Adrian Lüchinger

  1. Bin sehr erfreut, dass unsere Pfarrei nun so stark und prominent im Domkapitel vertreten ist. Neben Adrian Lüchinger wurde auch „unser“ Karl Wolf Domherr, und auch der gebürtige Küsnachter Peter Amgwerd ist im Domkapitel vertreten. Das ist immerhin ein Achtel des Kapitels. Freude herrscht!

  2. Ich freue mich dass Dr. Adrian Lüchinger als Domherr ernannt wurde,seinen Namen hab ich schon lange auf dieser Ebene vermisst. Ich wünsche ihm viel Freude und Erfüllung in seinem Amt
    JOSY LUSTENBERGER

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