Die Vereidigung der Gardisten

Stolze Mutter von Söhnen in der Schweizergarde Geschrieben am

Der Monat Mai ist für die Päpstliche Schweizergarde im Vatikan immer eine besondere Zeit. Die neuen Rekruten leisten ihren Treueeid auf den Heiligen Vater und treten ihren Dienst offiziell an. Die Küsnachterin Alexandra Albert, Mutter von fünf Söhnen und Zahnärztin in Erlenbach, hat diesen feierlichen Moment schon zweimal erlebt. Wie es ihren beiden Söhnen zurzeit in Rom als Gardisten ergeht und wie sich das Familienleben seitdem gestaltet, haben wir sie im Interview gefragt.

Die Geschwister Albert in ihrer Arbeitsuniform
Die Geschwister Albert in ihrer Galauniform

Die Gardisten setzen ihr Leben für den Schutz des Papstes ein

Liebe Frau Albert, Gardist zu werden ist ja heute für einen katholischen jungen Mann nicht mehr etwas Selbstverständliches. Wie sind Ihre Söhne auf die Idee gekommen, sich für die Schweizergarde zu bewerben?

Nicolas, der Ältere, hat die Schweizergarde aus den Erzählungen eines Schulfreundes kennengelernt. Dieser ist dann auch mit ihm zusammen eingetreten. Valentin, der Jüngere, machte eine Firmreise mit der Pfarrei und einem ehemaligen Schweizer Gardisten nach Rom, lernte dort die Schweizergarde kennen und war total begeistert.

Haben Sie und Ihr Mann die Söhne dabei unterstützt?

Selbstverständlich haben wir sie unterstützt. Es war für uns etwas ganz Neues und auch Aufregendes, denn niemand von unseren Familien war je in der Schweizergarde. Das Bewerbungsverfahren empfanden wir als aufwändig und sehr seriös.

Wenn man die Bilder der Vereidigung sieht, ist man sehr beeindruckt von diesem Zeremoniell. Welche Gedanken gingen Ihnen da durch den Kopf? Immerhin verspricht ja der Gardist, sein Leben für den Papst und die Kirche einzusetzen.

Die Schweizer Gardisten müssen schon vor der Reise nach Rom unterschreiben, dass sie ihr Leben für den jetzigen Papst und auch dessen Nachfolger einsetzen werden. Den Schwur des eigenen Kindes aber an der Vereidigung zu hören, erfüllte mich mit Demut und Stolz.

Die Papstaudienz war eine grosse Ehre

Vereidigung im Innenhof des Papstpalastes
Vereidigung im Innenhof des Papstpalastes

Sind Sie und Ihre Familie an diesen Tagen dem Heiligen Vater persönlich begegnet?

Es finden an den Tagen um die Vereidigung verschiedenste Feierlichkeiten für die Familien statt. Der absolute Höhepunkt war für mich die Papstaudienz im Apostolischen Palast. Als mein Mann und ich, zusammen mit den anderen Eltern, die Treppe zur Sala Reggia hinaufstiegen, wurde mir eigentlich erstmals so richtig bewusst, was für eine Ehre unsere Kinder uns zuteilwerden lassen. Der Papst bedankte sich bei jedem Gardisten und den Eltern persönlich für den Dienst. Ein unvergesslich beeindruckendes Erlebnis!

Nach den festlichen Tagen der Vereidigung ist ja ein durchaus anspruchsvoller Alltag für die Gardisten eingekehrt. Gefällt es Ihren Söhnen immer noch in Rom?

Unsere Söhne sind immer noch sehr begeistert vom Schweizer Gardisten-Dasein. Es erstaunt mich immer wieder, wie sie die unregelmässigen Arbeitszeiten und die vielen Überstunden wegstecken. Es macht ihnen gar nichts aus – mir scheint vielmehr, dass es einfach ein grosses Abenteuer ist. Das finde ich einfach nur herrlich!

Der Dienst geht trotz Corona-Krise weiter

Wie halten Sie den Kontakt?

Familie Albert bei der Vereidigungsfeier 2019 im Vatikan
Familie Albert bei der Vereidigungsfeier 2019 im Vatikan

Wir telefonieren mit FaceTime oder schreiben über WhatsApp. Wir versuchen sie auch mit der ganzen Familie zu besuchen. So verbrachten wir unsere Familienweihnachten in Rom in einer Mietwohnung mit Weihnachtsbaum und allem, was dazugehört. Das hat uns allen sehr gefallen. Mir ist der Kontakt auch unter allen Brüdern sehr wichtig und diesen muss man pflegen.

Das öffentliche Leben in Italien und auch im Vatikan ist durch die Corona-Krise ja völlig lahmgelegt. Sind Ihre Söhne trotzdem im Dienst?

Unsere Söhne haben genau gleich Dienst. Sie dürfen ja den Vatikan nicht verlassen, können sich aber sonst innerhalb des Vatikans frei bewegen. Das empfinden sie als Privileg. Wenn wir uns hören, sind sie immer aufgestellt und freuen sich auf die Zeit, wenn sie wieder einmal nach Hause kommen dürfen. Und wir uns natürlich auch.

Vielleicht tritt noch ein weiterer Sohn der Schweizergarde bei

Ihre jüngeren Söhne gehen ja noch zur Schule. Trägt sich einer davon ebenfalls mit dem Gedanken, später einmal Gardist zu werden?

Wie man aus meinen Antworten entnehmen kann, sind wir alle gegenüber der Schweizergarde sehr positiv eingestellt. Es würde mich nicht wundern, wenn der eine oder andere jüngere Bruder denselben Schritt wagen würde. Doch das muss jeder selber wissen. Wir unterstützen sie so oder so – das ist ja klar!

Was glauben Sie, werden Ihre Söhne von dieser Zeit nach Hause bzw. ins Berufsleben mitnehmen?

Sie haben unheimlich viel gelernt: über den Umgang mit den verschiedensten Menschen, Würdenträgern, Touristen, Nationalitäten bis hin zu einer neuen Sprache, zudem nehmen sie viele lebenslange Freundschaften, Flexibilität und Teil eines Ganzen zu sein mit. Das Wichtigste scheint mir aber, dass sie ihre Beziehung zum lieben Gott und auch zur Kirche gefestigt haben. In diesem Alter sagen zu können, dass man ein gläubiger Christ ist, braucht Mut und den haben sie!

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie alles Gute für den weiteren Weg.

2 Antworten zu “Stolze Mutter von Söhnen in der Schweizergarde

  1. Da ich diese Familie sehr gut kenne und liebe, habe ich mich speziell über diesen Eintrag gefreut! Meine herzlichsten Glüchwünsche für Euch alle! Nini.

  2. Wir alle haben grossen Respekt für den Einsatz dieser beiden jungen Männer – und natürlich auch für den Zusammenhalt in der Familie!

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