Wie wird Allerheiligen in der Welt gefeiert? Geschrieben am

Vom stillen Gedenken bis zum bunten Fest des Lebens

Am 1. November feiern Christinnen und Christen weltweit Allerheiligen – einen Tag, der uns erinnert: Wir sind verbunden mit all jenen, die vor uns im Glauben gelebt haben. Doch so un-terschiedlich wie die Kulturen sind, so vielfältig wird auch dieses Hochfest begangen.
Mancherorts still und besinnlich, andernorts farbenfroh, laut und voller Musik.

In Europa: Stille, Kerzen und Gebet

Bei uns in Mitteleuropa ist Allerheiligen traditionell ein eher stiller Tag. Familien besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, schmücken sie mit Chrysanthemen und zünden Kerzen an. Der Friedhof wird so zu einem Meer aus Licht – ein starkes Zeichen dafür, dass das Leben auch über den Tod hinaus leuchtet.
In Italien werden oft ganze Familiengräber mit Blumen geschmückt, in Polen zieht man in grossen Prozessionen zu den Friedhöfen, und in Frankreich ist der „La Toussaint“ ein gesetzlicher Feiertag, an dem Schulen und Ämter geschlossen bleiben.

Die Gräber sind bunt geschmückt.
Foto: www.aesdes.org

Und in Mexiko? Ein Fest, das das Leben feiert!

Ganz anders – und doch tief verbunden mit der christlichen Tradition – feiern die Menschen in Mexiko den „Día de los Muertos“, den „Tag der Toten“.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um ein fröhliches Volksfest – überall sieht man bunte Totenköpfe (calaveras), geschmückte Altäre (ofrendas) und Menschen, die ihre Gesichter als Skelette bemalen. Doch hinter all dem steckt eine zutiefst spirituelle und familiäre Bedeutung.
Der Ursprung dieses Festes liegt in einer alten Mischung aus indigenen Bräuchen und christ-lichem Glauben. Als die spanischen Missionare im 16. Jahrhundert nach Lateinamerika kamen, verbanden sich die Feste zu Ehren der Verstorbenen mit dem katholischen Allerheiligen und Allerseelen. Daraus entstand ein einzigartiger Ausdruck des Glaubens – lebensfroh, farbenprächtig und voller Hoffnung.

Ein reich geschmückter Altar für den Verstorbenen.
Foto: es.wikipedia.org

Altäre, Blumen und Lieblingsessen

In fast jedem mexikanischen Haus wird Anfang November ein kleiner Altar aufgebaut – liebevoll mit Fotos der Verstorbenen, Kerzen, Blumen, buntem Papier, Kreuzsymbolen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen geschmückt.
Die orangefarbene Tagetesblüte (auf Spanisch cempasúchil) spielt dabei eine besondere Rolle: Ihr intensiver Duft soll den Seelen der Toten den Weg nach Hause zeigen.
In manchen Dörfern verbringen Familien sogar die Nacht auf dem Friedhof, essen, beten, singen und erzählen Geschichten über ihre Verstorbenen – in der Gewissheit, dass sie in diesen Stunden ganz nah sind.

Freude statt Angst

Der „Tag der Toten“ ist also kein makabres Schauspiel, sondern ein Fest des Lebens. Er bringt zum Ausdruck, was auch wir Christinnen und Christen glauben: dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Beginn eines neuen Lebens bei Gott.
In Mexiko wird dieser Glaube nicht mit Tränen, sondern mit Musik, Farben und Freude gefeiert – eine Art Auferstehung inmitten des Alltags.

Eine Einladung auch an uns

Vielleicht können wir uns davon etwas abschauen: Den Mut, über den Tod zu sprechen, ohne die Angst in den Mittelpunkt zu stellen. Die Freude daran, das Leben zu feiern – auch das vergangene. Und die Dankbarkeit für die Menschen, die uns vorausgegangen sind.
Ob still mit einer Kerze auf dem Friedhof oder fröhlich mit Blumen und Musik – Allerheiligen verbindet uns alle in einem grossen Netz der Hoffnung: zwischen Himmel und Erde, Leben und Tod, Diesseits und Ewigkeit.

 

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