Synodaler Prozess als Ausweg aus der Kirchenkrise? Geschrieben am

Mit einer Auftakt-Veranstaltung Mitte November beteiligt sich die Pfarrei am „Synodalen Prozess“ der Weltkirche, zu dem Papst Franziskus vor einigen Monaten aufgerufen hatte. Eine Reihe von Gläubigen war der Einladung des Seelsorgeteams gefolgt. In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten sie zu den vorgegebenen zehn Themenfeldern, in denen die verschiedenen Facetten der gelebten „Synodalität“ zum Ausdruck kommen.

Eine Mitverantwortung aller ist anspruchsvoll

Die Deutschschweizer Bistümer hatten dafür eine digitale Plattform zur Verfügung gestellt, mit der Rückmeldungen der Gläubigen nach Rom weitergeleitet werden können. Eine Kirche der Teilhabe und der Mitverantwortung aller ist durchaus anspruchsvoll, so das Fazit am Ende der Veranstaltung. Inwieweit nun die Stimmen aller Beteiligten wirklich gehört werden, wie die Erfahrungen der verschiedenen Ortskirchen gewichtet werden und wie am Ende das Arbeitspapier aussehen wird, werden die kommenden Monate zeigen. Dieses Arbeitspapier wird als Grundlage der Bischofssynode im Oktober 2023 mit dem Titel „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ dienen.

Ohne Heiligen Geist gibt es keine Synode

Papst Franziskus im Eröffnungsgottesdienst des Synodalen Prozesses

Dass Papst Franziskus die ganze Sache sehr am Herzen liegt, ist offensichtlich. So warnte er in seiner Predigt am Eröffnungsgottesdienst des synodalen Prozesses davor, sich aus Angst vor Unbekanntem in Ausreden zu flüchten wie „das ist nicht nötig“ oder „das hat man schon immer so gemacht“. Vor allem für Seelsorger und Verkündiger sei es eine „vielleicht mühsame Übung zu lernen, einander zuzuhören und dabei künstliche und oberflächliche Antworten zu vermeiden“. Den allzu forschen Kirchenreformen erteilte er allerdings eine Absage. Papst Franziskus wörtlich: „Eine Synode ist kein Parlament, keine Meinungsumfrage“. Wichtigster Akteur sei der Heilige Geist; „ohne ihn gibt es keine Synode“, so der Papst.
Dass er damit indirekt und kritisch auf den „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland einging, darf als sicher gelten.

Grosses Interesse der Öffentlichkeit

Denn seit Dezember 2019 beraten in diesem Gesprächsprozess Bischöfe und Laienvertreter in einer Art Kirchenparlament über die Zukunft der Kirche. Darin sind Kleriker und Laien gleichberechtigt und verfügen über die gleiche Stimmenzahl. Unter dem Eindruck der 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie und dem schweren Vertrauensverlust, der damit verbunden war, hatte die Deutsche Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken zu diesem Projekt eingeladen. Zwei der vier geplanten Synodalversammlungen haben schon stattgefunden. Zu den Themenschwerpunkten gehören die „heissen Eisen“ der von manchen schon für überfällig gehaltenen Kirchenreformen.

Erneuerung der Kirche – Identitätsverlust oder Neuanfang?

Ob Frauen im Priesteramt, die Aufgabe des Zölibats, eine neue Sexualmoral oder die Frage der Gewaltenteilung in der Kirche, all dies wird leidenschaftlich diskutiert und am Ende, so ist wohl anzunehmen, mit starker medialer Unterstützung als Forderung formuliert. Was für die einen dringend notwendig ist, bedeutet für konservative Katholiken ein Identitätsverlust oder gar der Untergang der katholischen Kirche und letztendlich eine Abspaltung von Rom. Rechtswirksamkeit werden die Beschlüsse dieser Versammlung übrigens keine entfalten. Die Bischöfe entscheiden selbst, was sie in ihren Bistümern einführen. Entscheidungen, die die Weltkirche betreffen, können nur als Votum verabschiedet und weitergeleitet werden. Kritiker des „Synodalen Weges“ befürchten somit, dass die Frustrationen damit nur vorprogrammiert sind und fordern ein Drittes Vatikanisches Konzil. Nur dieses hat die Entscheidungskompetenz, grundlegende Erneuerungen für die ganze Kirche durchzusetzen.

Der Weg soll miteinander gegangen werden

Papst Franziskus will etwas anderes. Dass Kirche sich wandeln muss, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden, ist für ihn unbestritten. Der Weg dorthin soll aber ein geistlicher Weg der Glaubenserneuerung sein. Ein Weg des Begegnens, des Zuhörens und des Unterscheidens. Dabei nutzt er auf kluge Weise das Instrument der Bischofssynode. Unter Papst Paul VI. eingeführt, sollten diese die Einheit zwischen dem Heiligen Vater und den Ortsbischöfen fördern und regelmässig zu wichtigen theologischen und kirchenpolitischen Fragen stattfinden. In einer wegweisenden Neuordnung hatte Papst Franziskus im Jahr 2018 verfügt, dass solche Versammlungen nicht mehr nur den Charakter einer kircheninternen Expertentagung haben dürfen. Vielmehr soll durch die Befragung aller Gläubigen im Vorfeld auch die Stimme des Volkes Gottes eine wichtige Rolle spielen. Dies wurde zum ersten Mal bei der sogenannten Jugendsynode 2018 praktiziert und hat für viel Aufsehen gesorgt. Denk- und Sprechverbote soll es ab sofort nicht mehr geben.

Begegnungen untereinander fördern

Ziel des auf gut zwei Jahre angesetzten mehrstufigen Prozesses ist ein anderer Umgangsstil in der Kirche. „Alles ändert sich, wenn wir zu echten Begegnungen mit Gott und untereinander fähig sind. Ohne Formalitäten, ohne Täuschung, ohne Tricks“, so setzte Franziskus seine Predigt im Eröffnungsgottesdienst fort. Es gehe nicht darum, „Veranstaltungen zu organisieren oder theoretische Überlegungen zu Problemen anzustellen“. Viel wichtiger sei, sich Zeit zu nehmen, um Gott zu begegnen und die Begegnung untereinander zu fördern. Am Ende eines echten Dialogs „sind wir nicht mehr dieselben wie vorher, wir haben uns verändert“, so der Papst.

Sicher ist dies ein ehrgeiziges Projekt. Aber eine Alternative dazu gibt es nicht. Wenigstens in dieser Frage sind sich alle einig.

Eine Antwort zu “Synodaler Prozess als Ausweg aus der Kirchenkrise?

  1. Papst Franziskus stellt uns in einen unglaublich schwierigen Prozess hinein:
    Viele nun dringend gewordene Fragen sind durch die rasanten und gewaltigen Entwicklungen der menschlichen Möglichkeiten
    in Wissenschaft ,Wirtschaft, Technik etc. entstanden.
    Wir sind überrollt worden in vielerlei Hinsicht. Auch unsere Fähigkeit zur konstruktiven und sinnstiftenden Kommunikation ist dem Anspruch dieser weltweiten Entwicklung noch nocht gewachsen.

    Ich denke,das kommunikative Verhalten im kleineren -dann im grösseren -Rahmen zu üben ,um es gemäss unseren seelischen Kapazitäten ein bisschen zu lernen,das wäre bereits ein hochgestecktes Ziel dieses synodalen Weges.

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