Seelsorge in dieser schwierigen Zeit Geschrieben am

Schwierige Monate der Seelsorge liegen hinter uns. Viele Einschränkungen mussten wir akzeptieren und in kurzer Zeit auf die neuen Situationen reagieren. Diakon Matthias Westermann versucht ein Wort des Dankes zu finden in der Krise.

Seelsorge geht nicht ohne Nähe

Es ist eine schmerzliche und zugleich befreiende Erkenntnis der vergangenen Monate, in denen kirchliches Leben sozusagen hinter verschlossenen Türen stattfand, dass es keine Seelsorge ohne Nähe zu den Menschen gibt. Trotz des Bedeutungsverlustes der Kirche wollen ja immer noch viele Menschen mit den Priestern, den Diakonen, den Pastoralassistenten und Pastoralassistentinnen in Kontakt kommen. Wenn sich aber  Seelsorgerinnen und Seelsorger nicht mehr für den Alltag der Menschen interessieren oder keine Zeit dafür haben, wenn sie aufgerieben werden von zu viel Administrationspflichten und dem heute üblichen Anspruch, jederzeit professionell Distanz wahren zu müssen, dann bleibt kirchliches Handeln blutleer und seltsam artifiziell.

Das Engagement ist ein christliches Zeugnis

Der Theologe Fulbert Steffensky schreibt in seinem 2007 erschienenen Büchlein „Mut zur Endlichkeit“, dass dem modernen Menschen von heute Beobachtungsfähigkeit, Empathie und vor allem Zeit fehlen. Zu diesen Menschen  gehören leider manchmal auch wir Seelsorgende. Wenn Kirche heute der Welt überhaupt noch irgendetwas zu sagen haben will, braucht es dazu einen Gegenentwurf. Für diesen müssen natürlich nicht nur hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstehen, sondern auch all jene, die in den ganz verschiedenen Freiwilligendiensten an ihrem Auftrag mitwirken.

Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben auf eindrückliche Weise gezeigt, dass es Gott sei Dank all diese Grundhaltungen immer noch gibt. Und dies manchmal in ungewohnten und erfrischenden Formen. Wenn Menschen jeden Alters die Not sehen, die es im nächsten Umfeld gibt. Wenn sie sich einfühlen in die Bedürfnisse des Gegenübers und all ihre Zeit dafür aufbringen, um Leid zu mildern. Dann ist dies ein grossartiges christliches Zeugnis. Und es verdient unseren Dank!

Alle haben mit angepackt

So war es zum Beispiel bei der Aktion „broken bread„. Pfarr-administrator Karl Wolf und Sr. Ariane Stöcklin, legten die Finger auf die Wunden unserer Wohlstandsgesellschaft. Sie machten himmelschreiende Situationen öffentlich. Und dann entwarfen sie nicht zuerst Strategiepapiere, sondern halfen vor Ort und das bis heute. Auch auf die Gefahr hin, hinterher dafür kritisiert zu werden.

Danke auch all jenen jungen Menschen aus dem Firmkurs unserer Pfarrei, aus dem Verein „Incontro“ und darüber hinaus, die Hunger und existentielle Nöte bis anhin nur aus den Medien kannten. Die sich dann bei dieser Hilfsaktion immer zuverlässig einsetzten und sich für keinen Dienst zu schade waren.

Der Dank geht auch an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen, die mit all ihrer Kraft und Kompetenz mit angepackt haben.

Dank unseren Gremien und den vielen Spenderinnen und Spendern, die finanziell Hilfe leisteten und somit das Ganze erst ermöglichten.

Vielleicht war der Regenbogen, der vor einigen Wochen so strahlend über unserer Pfarrkirche erschien, ein Zeichen des Dankes. Aber ganz sicher war er ein starkes Hoffnungszeichen, dass Gott die Welt liebt. Und damit auch die Menschen, die sie durch ihren Einsatz zu einem lebenswerten Ort machen. Danke vielmals!

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