Ein Feuerwerk der Gefühle

Generalvikar Johann Faber alias Matthias Westermann Geschrieben am

Im alljährlichen Theater der Kulisse Küsnacht schlüpfte Matthias Westermann in die Rolle des Konstanzer Generalvikars Johann Faber. Dieser vertrat die katholische Seite auf der Zürcher Disputation 1523. Im Interview erzählt Diakon Westermann von seinen Erfahrungen und Erlebnissen bei den Theateraufführungen.

Vielerlei positives Echo

Matthias Westermann in seiner Rolle
Matthias Westermann in seiner Rolle (zum vergrössern anklicken)

Herr Westermann, zwei anstrengende Theaterwochenenden liegen hinter Ihnen. Haben Sie alles gut überstanden?

Ich gebe zu, ich war müde hinterher. Aber vielmehr war ich begeistert, auf wieviel positive Resonanz das Theaterstück und der Mittelaltermarkt bei der Küsnachter Bevölkerung und auch in unserer Pfarrei gestossen sind. Das Engagement und die Leidenschaft der Schauspieler hat mich wirklich angesteckt und meine anfänglich etwas zögerliche Einstellung ins Gegenteil verwandelt.

Haben Sie etwas dazugelernt?

Für mich war das ja ein bisschen ein Schnellkurs in Schauspielerei. Und letztendlich dauerte mein Einsatz auch nur knapp zwei Minuten. Aber diejenigen, die schon lange zur „Kulisse“ gehören, sind wirklich unglaublich gut. Ich konnte sehen, wie von Probe zu Probe das Spiel immer eindrücklicher wurde. Wie die Anweisungen der Regisseurin Renate Muggli umgesetzt wurden und die Schauspieler in ihren Rollen aufgingen und die Emotionen glaubwürdig rüberbrachten.

Matthias Westermann mal ganz anders gekleidet

Sich 500 Jahre zurückzuversetzen ist ja nicht ganz einfach. Wie ist Ihnen das gelungen?

Berührende Szene bei der Taufe des sterbenden Kindes vom Theater Kulisse Küsnacht
Berührende Szene bei der Taufe des sterbenden Kindes (zum vergrössern anklicken)

Von dem Moment an, in welchem in historischen Kostümen geprobt wurde, ging plötzlich ein Ruck durch das ganze Ensemble. Es heisst ja, „Kleider machen Leute“. Das galt auch für mich, als ich mich in Soutane, Chorhemd und mit dem Birett auf dem Kopf kleidete. Im Vorfeld hatte ich mich natürlich mit dem historischen Geschehen auseinandergesetzt und mich über die Person informiert, die ich verkörpern sollte. Der Kirchenraum hat natürlich auch eine Rolle gespielt. Auch die Vorstellung, dass in diesem Raum viele hundert Jahre katholischer Gottesdienst gefeiert wurde, war eine Hilfe. Der Ausstatter hatte mich vor Monaten schon gefragt, wie man der reformierten Kirche ein katholisches Flair verpassen könnte. So kamen ein stilisierter Hochaltar, Heiligenfiguren und Weihrauch zum Einsatz.

Die Schauspielkollegen haben Sie gut aufgenommen?

Im Wirtshaus vom Theater Kulisse Küsnacht
Im Wirtshaus (zum vergrössern anklicken)

Ja wirklich, von Anfang an. Es war allen ein wirkliches Anliegen, dass Pfarrer Andrea Bianca und ich mit dabei sind. Sie haben uns dann auch, als es auf die Aufführung zuging, in ihre Sprech- und Körperübungen mit einbezogen, sodass wir wirklich das Gefühl hatten, mit mehr Druck und Dynamik unsere Rollen sprechen zu können. Von manchen der Schauspieler und Schauspielerinnen war ich sehr fasziniert. In der Rolle wirkten sie wie direkt dem Mittelalter entsprungen. Obwohl ich das Stück ja dann oft gesehen habe, kamen mir zum Beispiel immer wieder die Tränen an der gleichen Stelle.

Geschichte auf eine etwas andere Art

Das Stück „Gebrüder Fleckenstein“ wurde ja von der jungen Küsnachterin Lea Gottheil geschrieben. Kamen Sie in Kontakt mit der Autorin?

Lea Gottheil war an fast jeder Aufführung mit dabei und ich konnte sie anschliessend ein wenig kennenlernen. Sie war emotional sehr berührt von der Umsetzung ihres Werkes. Ihr ist es gelungen, Geschichte erfahrbar zu machen, indem sie ein nüchternes und wohl auch grausames Geschehen mit dem Schicksal einer Familie verbunden hat. Und das geht einem viel näher wie das Lesen oder Anschauen irgendwelcher historischer Fakten.

Werden Sie bei weiteren Aufführungen dabei sein?

Also, wenn Sie das meinen, Fortsetzungen sind keine geplant. Auch wenn es mir wirklich Spass gemacht hat, bin ich doch auch froh, mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren zu können. Aber es wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

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