Frischvermählte Paare dürfen Flitterwochen geniessen. Als neugeweihter Priester hatte ich auch Flitterwochen, aber auf ganz andere Art. Nach den mich sehr berührenden Feiern der Weihe in der Kathedrale Chur und der Primiz hier in Küsnacht hielt ich in den letzten Wochen einige Nachprimizen. Gerne gebe ich Einblicke in diese bewegenden Feiern.
Primizfeiern in meiner Heimat

An Pfingsten durfte ich drei Primizen in meiner Bündner Heimat feiern. Am Samstagabend in jenem Dorf, wo meine Grosseltern mütterlicherseits gelebt haben. Am Sonntag dann in meiner Heimatpfarrei Prada und am Montag in Poschiavo. Es war bewegend für mich, an den Orten, wo ich aufgewachsen bin, zum ersten Mal die heiligen Messen zu feiern. Besonders die Primiz in der Pfarrkirche von Prada hat mich tief berührt, denn dort wurde ich getauft, hatte meine Erstbeichte und feierte meine Erstkommunion und Firmung. An diesem Ort habe ich auch meine Berufung entdeckt und viele Male als Ministrant gedient. Das ganze Dorf war bei der Primizfeier auf den Beinen. Schon der Anfang war besondern, denn ich wurde vom Haus meiner Eltern abgeholt von den Ministranten und Konzelebranten. In einer grossen Prozession, begleitet von der Blasmusik und von zwei ehemaligen Schweizer Gardisten in deren prächtigen Uniformen, zogen wir zur Kirche. Der Kirchenchor umrahmte die Feier musikalisch. Die Jugendgruppe der Pfarrei servierte den Apéro, den viele Freiwillige organisiert und vorbereitet hatten.

Ich erfuhr an diesem Tag so viel Dankbarkeit und Wertschätzung, natürlich auch gemischt mit einem gewissen Stolz, dass wieder einer aus diesem kleinen Dorf Priester wurde. 24 Jahre vor mir wurde Ugo Rossi geweiht, der mittlerweile mit unserem Pfarradministrator Karl Wolf auf der Gasse in Zürich tätig ist.
Noch lange werde ich aus der Freude dieses Tages Kraft schöpfen.
Nachprimiz in der Kathedrale Chur

Ein weiterer Höhepunkt war für mich die Nachprimiz zwei Wochen später, in der Kathedrale in Chur. Die Dompfarrei war «meine» Pfarrei für fast zehn Jahre, nämlich während meiner Zeit an der Kantonsschule Chur und der anschliessenden Studienzeit im Priesterseminar. Ich bin der Pfarrei und dem Dompfarrer nach wie vor sehr verbunden. Auch in dieser Kirche sind mein Glaube und meine Berufung gewachsen. Oft war ich dort in der Heiligen Messe und durfte an vielen Pontifikalämtern mit den Bischöfen von Chur ministrieren oder besondere Dienste übernehmen. So war es mir eine Ehre, in der Mutterkirche unserer Diözese nun selbst an einem Sonntag der Heiligen Messe vorzustehen.
Nachprimiz am 29. Juni in der Pfarrkirche Villmergen
Während meiner Ausbildung absolvierte ich für einen Monat ein Pfarreipraktikum in Villmergen AG. Offensichtlich war ich dem Pfarrer noch in guter Erinnerung. So hat er mich eingeladen, am Patrozinium der Pfarrei – am Fest der Heiligen Petrus und Paulus – eine Nachprimiz zu feiern und die Festpredigt zu halten. Das schöne Wetter und die prächtige neugotische Kirche haben diesen Tag für mich unvergesslich gemacht.
Jugendmesse für Adoray Zürich
Die letzte Primiz feierte ich Ende Juni mit Adoray Zürich. Adoray ist eine Gebetsgruppe, die in der Deutschschweiz verbreitet ist. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen treffen sich regelmässig, um miteinander Gottesdienst zu feiern und Anbetung zu halten. In den letzten Jahren habe ich mit einigen Jugendlichen aus dieser Bewegung Freundschaften geschlossen, die mich bis heute tragen. Umso grössere Freude hatte ich, mit ihnen und für sie als Priester die Heilige Messe zu feiern.
Gestärkt durch all diese Erfahrungen freue ich mich nun auf den priesterlichen Alltag mitten in der Pfarrei, in der ich sei Jahren Heimatgefunden habe.
Matteo Tuena, Vikar
Lieber Matteo, Deine Beschreibung der Primizfeier in Prada und Poschiavo haben Monique und mich tief bewegt. In der heutigen Welt ein sonores Gegengewicht für die destruktiven Kräften! Gut so, weiter so. Herzliche Grüsse aus Javea, Spanien. Pedro