Erinnerung an Ostern in Kroatien Geschrieben am

Branko Tijan

Wenn Hauswart Branko Tijan vom Osterfest seiner Kindheit und Jugend in Kroatien erzählt, spürt man, wie sehr ihn diese Erinnerungen bis heute prägen. Branko Tijan ist in Zagreb in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgewachsen. Dort hat er eine Kirche kennengelernt, die sich gegen den Machtanspruch der kommunistischen Partei im damaligen Jugoslawien erwehren und behaupten musste. Die katholische Gemeinschaft zeichnete sich durch Zusammenhalt und lebendige kirchliche Traditionen aus. Diese gestalteten nicht zuletzt die Fasten- und Osterzeit.

Der Ostertag in Kroatien inkl. Spitzel

Branko Tijans Augen leuchten, wenn er davon erzählt. Sehr ernst genommen wurde nicht nur das Osterfest, sondern auch die Fastenzeit davor. Fastenvorsätze bedeuteten damals wirklich weniger essen und trinken. An dies hält sich Branko Tijan voll Überzeugung heute noch. Umso grösser damals die Vorfreude nicht nur der Kinder auf den reich gedeckten Tisch am Ostertag. Nach den festlichen Gottesdiensten und Prozessionen mit unzähligen Gläubigen, darunter immer auch Spitzel der kommunistischen Partei, traf sich die Grossfamilie. Dann wurde geteilt: Schinken, selbst gebackenes Brot, Eier. All dies wurde in der Kirche am Ostertag gesegnet. Mit von den Frauen der Familien selbstgestickten Tüchern bedeckt, stillten die Köstlichkeiten dann den Hunger nach der kargen Fastenzeit.

Die heute so verbreiteten Schokohasen und Eier spielten damals keine Rolle. Wichtig war der religiöse Gehalt der Ostertage und der familiäre Zusammenhalt. Tijan erinnert sich, wie sehr er auf positive Weise und bis heute geprägt wurde durch das offene Elternhaus  in dem er mit drei Geschwistern in einem städtischen Quartier am Rande Zagrebs, der Hauptstadt von Kroatien aufgewachsen ist. Gastfreundschaft habe bei seinen Eltern immer eine grosse Rolle gespielt. So nahmen neben Kindern der Nachbarschaft auch hin und wieder ein Obdachloser, sowie die Schwestern des nahegelegenen Klosters, am Mittagstisch Platz.

Ein Segen für das Pfarreizentrum

Katica und Branko Tijan

Vielleicht hat dies Branko Tijan für seinen späteren Beruf geprägt. Denn er ging nicht in den Fussstapfen seines Vaters, der einen erfolgreichen Schlossereibetrieb in Kroatien aufbaute, sondern besuchte nach der Schule die Gastgewerbeschule. 1982 kommt Branko Tijan dann in die Schweiz. Anfang der 90er Jahre lernt er nach dem Gottesdienst der Kroatischen Mission in Zürich seine künftige Ehefrau Katica kennen. 1994 zügelte die junge Familie nach Küsnacht. Beruflich gefordert ist er als Serviceleiter in einem der besten Zürcher Restaurants. 1998 ist ein besonderes Jahr, denn Familie Tijan erhält den Schweizer Pass und das Küsnachter Bürgerrecht.

Im März 2000, mit der Eröffnung des neuen Pfarreizentrums in Küsnacht, beginnt seine Tätigkeit für die Pfarrei. Unterstützt durch seine Ehefrau, mit der er drei inzwischen erwachsene Söhne aufzog, macht er durch sein engagiertes Wirken als Hauswart das Pfarreizentrum zu einem geschätzten Begegnungsort weit über den Kreis der Pfarreiangehörigen hinaus. Dass er für viele Dienste zur Verfügung steht, die über das hinausgehen, was von einem Hauswart normalerweise erwartet werden kann, ist für ihn selbstverständlich. Ein strenges Auge auf den Erhalt des Pfarreizentrums zu haben und gleichzeitig charmanter Gastgeber zu sein, sind für ihn keine Gegensätze. Besonders gern übernimmt er in Notfällen übrigens auch den Ministrantendienst, den er schon zu Jugendzeiten mit Begeisterung viele Jahre ausgeübt hat. Und das verlernt man ja nicht, fügt er am Ende unseres Gespräches schmunzelnd hinzu.

Aufgezeichnet durch Diakon Matthias Westermann

2 Antworten zu “Erinnerung an Ostern in Kroatien

  1. Eine Wohltat,dieser Bericht über Herrn Tijan. In unserer Zeit-was die Verwurzelung im Christl. Glauben betrifft- ein Geschenk.

  2. Das gelungene Portrait von Branko Tijan bereitet viel Lesefreude. Es gibt Einblick in seine kroatischen Wurzeln, seinen Werdegang in der Schweiz und sein vielfältiges Wirkungsfeld in unserer Pfarrei. Branko Tijan ist ein wahres Multitalent: Technisch versierter Hauswart, charmanter Gastgeber und exzellenter Koch bei Anlässen, im Bedarfsfall Ministrant sowie — nicht zu vergessen — mit seiner sonoren Bassstimme eine bewährte Stütze der Kantorei. Über allem aber steht die Liebenswürdigkeit und die Hilfsbereitschaft, mit der er den Mitmenschen begegnet.

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