Karl Wolf

Eine Sabbatzeit für Pfarradministrator Karl Wolf Geschrieben am

Pfarradministrator Karl Wolf ist bereit für die Sabbatzeit
Pfarradministrator Karl Wolf ist bereit für die Sabbatzeit

Pfarradministrator Karl Wolf nimmt demnächst eine Sabbatzeit, eine Auszeit vom beruflichen Alltag. Diese wurde ihm aufgrund seiner Dienstjahre in der Pfarrei genehmigt. Im Interview beantwortet er Fragen zur Sabbatzeit, welches seine Pläne hierfür sind und wie es danach weitergeht.

Eine Fortbildung, spirituelle Auszeit und vor allem ganz viel Erholung

Ab nächste Woche sind sie für zwei Monate in einer Sabbatzeit, und dann nochmal im August und September dieses Jahres. Freuen Sie sich darauf?

Ja, ich freue mich auf diese Zeit im Frühjahr und im Sommer. Es ist schön, in dieser Zeit für jeweils zwei Monate freier zu sein. Zum einen für Erholung und Ruhe, die Zeit für meine Eltern und meinen Bruder mit seiner Familie zu haben. Zum anderen mich hinter Bücher zu klemmen, denen ich mich schon lange widmen wollte. Ausserdem geniesse ich das Leben, lege die Füsse hoch, esse gut und gerne und habe Zeit mich zu bewegen. Ich habe es dringend nötig, etwas für meine Kondition zu tun.

So eine Sabbatzeit kann man ja auf ganz verschiedene Weise nutzen. Zur Erholung, für eine spirituelle Auszeit, für eine Fortbildung. Wo sind Ihre Schwerpunkte?

Ja, zur Erholung bin ich mit meinen Eltern im Allgäu und im Februar an der Nordsee auf der Insel Wangerooge. Ein Ausflug auf die Philippinen wird den Besuchen von unseren Freunden in Cebu – Erzbischof Palma und Fr. Roger Fuentes – gelten und dem Kennenlernen von neuen Ansätzen in der Arbeit mit Strassenkindern. Wenn ich dann an der Nordsee bin, werde ich mich dem Abschluss der Forschungsarbeit „Biographie und Gewalt – Die Bedeutung des Vaters in der Entwicklung von Aggression bei straffälligen Jungen“ widmen. Ich lebe dann einfach mal vor mich hin, lese und schreibe und nehme mir noch mal den Augustinus vor. Er hat in seiner Zeit mit Gleichgesinnten in Gemeinschaft interessante Lösungsansätze für seine Zeit gelebt, die wir eigentlich für heute gut gebrauchen könnten. Vielleicht mache ich einen Abstecher nach Würzburg zu den Augustinern und deren Institut und gönne mir ein paar Impulse von dort.

Stets begleitet vom heiligen Georg

In diesem Jahr feiern Sie den 39. Jahrestag Ihrer Priesterweihe. Denken Sie nach so langer Zeit noch an diesen Tag zurück?

Oh, ja, noch sehr genau. Und ich denke mit grosser Freude an die Weihe und die Primiz zurück. Sowieso erinnere ich mich sehr gerne an das Studium und den ersten Teil der Ausbildung in Würzburg, das Mitleben bei den Franziskanern – damals war ich ja noch reformiert – und auch an den zweiten Teil, das Studium in St. Georgen in Frankfurt bei den Jesuiten. Der heilige Georg hat mich übrigens interessanterweise immer wieder begleitet. In St. Georgen Frankfurt habe ich studiert, bin im Georgsdom in Limburg zum Priester geweiht worden und schliesslich in St. Georg in Küsnacht gelandet.

Wenn ich zurückdenke, dann in grosser Dankbarkeit, wie Gott mit mir seinen Weg gegangen ist. Da gibt es eben diesen geheimnisvollen und doch offensichtlichen roten Faden und jene Erfahrung, dass Gott auch in den krummen Linien meines Lebens anwesend war und etwas Gutes hat werden lassen. Wenn ich das von mir sage: ich bin irgendwie geführt worden. Dann sage ich zugleich ja von jedem von uns: wir werden in unserem Lebensweg von Gott geleitet.

In dieser Zeit hat sich ja in unserer Kirche viel getan. Wie bewerten Sie diese Zeit für sich ganz persönlich?

Als ich in den siebziger Jahren mit dem Studium begann, war es eine Zeit des besonderen Aufbruchs. In der Gesellschaft wie in der Kirche war es eine Zeit der Kreativität und der Neubestimmung, der Ausformung des kirchlichen Lebens nach dem Konzil. Wir waren als Studenten schon der Auffassung: wir können etwas bewegen, wir können die Welt in Richtung Frieden und Gerechtigkeit verändern. Es war eine Zeit der vielen Ideen und des Ausprobierens. Ich erinnere mich an Jugendwallfahrten mit 240 Jugendlichen, an Jugendgottesdienste und Musicals. Für mich war es eine Zeit prallvoll von Mut und Hoffnung.

Von Theologie bis zur Psychologie

Hat sich die Praxis der Seelsorge geändert? Ist sie schwieriger geworden?

Karl Wolf freut sich auf die Entspannung und Erholung
Karl Wolf freut sich auf die Entspannung und Erholung

Ja, die gesellschaftliche Situation und die kirchliche Situation haben sich inzwischen gewandelt. Ich spüre es so, dass die Situation kritischer in der Gesellschaft und zäher in der Kirche geworden ist. Insgesamt finde ich, dass unsere Herausforderungen als Kirche in der Welt von heute anspruchsvoller und grösser geworden sind. Die Fragen bezüglich Gerechtigkeit und Frieden stellen sich heute noch schärfer und gewaltiger als damals. Für die Zukunft stehen ökologische Probleme im Raum, für die auch wir als Kirche gefragt sind, eine Antwort zu geben.

Die Reform der Kirche, das Massnehmen am Evangelium steht ins Haus. Die Zukunft der Menschen braucht mehr denn je unser Handeln, Menschen brauchen mehr als je zuvor echte Menschlichkeit und Einsatz für ihre Würde. Die Praxis heute bietet allerdings auch einige Chancen mehr als früher. Wir sind hier in Küsnacht ein gutes Team und bewegen ganz viel und dazu kommt, dass ich selbst mit dem Lebens- und Dienstalter an guter Erfahrung gewonnen habe, die sich als hilfreich erweist.

Vielleicht ist nicht allen bekannt, welche Verpflichtungen Sie ausserhalb der Pfarrei wahrnehmen. Können Sie etwas dazu sagen?

Neben der pastoralen Arbeit – der Seelsorge – arbeite ich ja in der Praxis am Hegibach psychotherapeutisch mit Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen. Das heisst für mich Menschen eine gute Begleitung geben, damit sie für sich selbst Schritte aus psychischen Krisen herausfinden können. Die Psychologie ist auch mein Fach bei den Vorlesungen in der theologischen Hochschule in Chur und in der Ausbildung der TheologInnen. Überhaupt ist die Begleitung von Seelsorgern und Seelsorgerinnen eine mir neu zugewachsene Aufgabe.

Die Leidenschaft darf nie fehlen

Was würden Sie heute einem jungen Menschen mitgeben, der einen kirchlichen Beruf ergreifen, oder Priester werden will oder gar in einen Orden eintreten möchte?

Du ergreifst einen der spannendsten und vielseitigsten Berufe den es gibt. Hab Mut, sei stolz und sei Dir zu nichts zu schade, was Dienst an der Menschlichkeit bedeutet. Es erwartet Dich eine Tätigkeit, die Dich ganz ausfüllen kann und Dich fordern wird, alle Deine Potentiale zu entfalten. Du kannst etwas in die Welt einbringen, das die Menschenwürde bewahren hilft und Du kannst etwas in die Kirche einbringen, das sie als eine weltumspannende Gemeinschaft erfahrbar machen kann, die für das Leben einsteht. Das Allerwichtigste wird sein, dass Du Deine innere Quelle in Gott findest und Dich in der Freundschaft mit Jesus verankerst. Allerdings fällt mir auch ein Satz von Augustinus ein: Der Preis Deiner Liebe bist Du selbst. Was die Menschen heute in unserer Welt brauchen ist schlicht und genau das: ohne Bedingung geliebt werden – besonders, wenn sie Not leiden. Dafür werden leidenschaftliche Menschen gebraucht.

Von Ihrem Jahrgang her gesehen gehen ja viele Alterskollegen demnächst in den Ruhestand. Spielt dieser Gedanke für Sie eine Rolle?

Ja, manchmal denke ich daran, dass auch meine Zeit begrenzt ist. Ob ich jetzt schon in den Ruhestand treten möchte? Nein, ich habe aber manchmal mir selber das Alter von siebzig Jahren vorgestellt, vorausgesetzt, Gott will das und ich bleibe gesund. Ausserdem habe ich ganz viel Lust und Motivation und noch einige Ideen, was ich mit anderen in der Pfarrei und im Bistum noch gerne realisieren möchte.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Für Ihre Sabbatzeit alles Gute!

10 Antworten zu “Eine Sabbatzeit für Pfarradministrator Karl Wolf

  1. Lieber Karl,
    ich wünsche dir eine erholsame und inspirierende Auszeit. Genieße deine Familie und deine Freizeit….’l’as dini Seel bambele ‘.
    Auf deine Rückkehr freuen wir uns jetzt schon. Ahoi 2️⃣0️⃣1️⃣9️⃣💥
    Ganz lieben Gruss
    Barbara

  2. Mein lieber Karl,
    es freut mich, mal wieder von Dir zu lesen. Ich wünsche Dir das Allerbeste und noch viele leidenschaftliche gesunde Jahre.
    Herzogs Grüße aus dem Odenwald
    Frank

  3. Lieber Pfarrer Wolf
    Wir wūnschen Ihnen eine interessante und erholsame Sabbatzeit. Bleiben Sie uns noch lange erhalten.
    Ihre Familie Voegeli

  4. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie wertvoll so eine Auszeit sein kann. Dass Pfarrer Karl Wolf dies auch erleben darf, wünschen ihm all seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pfarramt Küsnacht-Erlenbach!

  5. Lieber Pfarrrer Wolf
    Gottes Segen für die Auszeit und viele neue Impulse. Denken Sie auch an Ihre Gesundheit.
    Ihr Namensvetter Dieter aus Meilen

  6. Lieber Karl , ich hoffe diese Sabbatzeiten haben Dir gut getan. Man braucht diese Zeiten um wieder Kraft zu schöpfen für das wozu er uns bestimmt hat.
    Herzliche Grüße
    Rosi

  7. Lieber Karl,
    ich war neugierig, was es von Dir Neues gibt. So stieß ich auf das Interview, das ja nun gar nicht neu ist. Aber ich nutze die Chance, Dir auf diesem Weg einen herzlichen Gruß zu senden. Und natürlich viele gute Wünsche!
    Gisela aus Frankfurt

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