
19 Personen, acht Tage, unzählige Eindrücke und jede Menge Geschichte: Unsere Pfarreireise vom 11. bis 18. Juli 2026 kann mit Fug und Recht, als ein Highlight bezeichnet werden. Sie führte uns durch einige der historisch und kulturell dichtesten Landschaften Deutschlands – von Fulda über Eisenach, Erfurt, Weimar und Naumburg bis nach Helfta, Wittenberg und Leipzig.
Heilige, Reformatoren, Künstler

Dabei begegneten wir einer beeindruckenden Vielfalt an Persönlichkeiten und Epochen: dem heiligen Bonifatius in Fulda, der heiligen Elisabeth und Martin Luther in Eisenach, Meister Eckhart und Adam Ries in Erfurt, Goethe und Schiller in Weimar, der geheimnisvollen Uta von Naumburg, den grossen Mystikerinnen von Helfta und schliesslich Johann Sebastian Bach in Leipzig – um nur einige zu nennen. So wurde der Titel unserer Reise «Heilige, Reformatoren, Künstler» tatsächlich zum Programm.

Doch es waren nicht nur die grossen Namen und berühmten Sehenswürdigkeiten, die diese Reise so besonders machten. Viele engagierte lokale Führerinnen und Führer brachten uns ihre Städte und deren Geschichte auf lebendige und unterhaltsame Weise näher, erklärten uns regionale Redewendungen, erzählten manche überraschende Anekdote und entlockten uns dabei immer wieder ein «Aha!». Auf diese Weise wurde Geschichte nicht nur besichtigt, sondern erlebbar.
Von „Apostel der Deutschen“ zum „Junker Jörg“

Den Auftakt bildete Fulda, eng verbunden mit dem heiligen Bonifatius, dem «Apostel der Deutschen». Dom, Michaelskirche und die barocke Altstadt vermittelten uns einen ersten Eindruck von der langen christlichen Geschichte dieser Region. Schon am nächsten Tag wechselten wir die Perspektive: Auf der Wartburg und im Lutherhaus in Eisenach begegneten wir Martin Luther und der Geschichte der Reformation. Besonders eindrücklich war der Ort, an dem Luther als «Junker Jörg» das Neue Testament aus dem griechischen Urtext ins Deutsche übersetzte.

Für drei Nächte waren wir anschliessend im berühmten Augustinerkloster in Erfurt zu Gast – einem Ort, an dem Geschichte und Gegenwart unmittelbar aufeinandertreffen. Hier lebte Martin Luther von 1505 bis 1511 als Novize, Mönch und Priester. Wir besichtigten den Dom, in dem Luther zum Priester geweiht wurde, erkundeten die historische Altstadt mit Krämerbrücke und Fischmarkt und erhielten eine Führung durch das Kloster.
Eine spontane Gelegenheit für ein Orgelkonzert

Ein besonderer Höhepunkt war unser Ausflug nach Weimar. Goethe und Schiller, Herder und Wieland, Bauhaus und Cranach – auf engstem Raum begegneten uns ganz unterschiedliche Epochen und Persönlichkeiten. Der Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit ihrem berühmten Rokoko-Saal war dabei ebenso eindrucksvoll wie die zahlreichen Spuren der Weimarer Klassik.

Auch die folgenden Tage zeigten eindrücklich, wie vielfältig die Geschichte von Glauben, Kirche, Kunst und Kultur miteinander verbunden ist. Im Naumburger Dom beeindruckten uns die berühmten Stifterfiguren mit der «Uta» und die mittelalterliche Architektur. Zu einer besonderen Überraschung wurde unser Besuch, als wir ganz spontan die Gelegenheit bekamen, ein Orgelkonzert auf der berühmten Hildebrandt-Orgel zu hören – gespielt von einem Leipziger Professor. Ein musikalischer Glücksfall, mit dem wohl niemand gerechnet hatte.
Im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster St. Marien zu Helfta begegneten wir den grossen Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud der Grossen. Gerade hier wurde spürbar, wie lebendig und vielfältig christliches Leben bereits im Mittelalter war.

In Wittenberg stand dann erneut die Reformation im Mittelpunkt. Wir besuchten die Stadtkirche und die Schlosskirche, sahen die Werke der Cranachs und erfuhren viel über Luthers Leben und Wirken. Dabei wurde deutlich, dass die Reformation nicht nur ein Kapitel aus dem Geschichtsbuch ist, sondern bis heute Spuren in Kirche, Gesellschaft und Kultur hinterlassen hat.

In Leipzig schliesslich führte uns die Reise zu Johann Sebastian Bach. Bei einem Stadtrundgang entdeckten wir die wichtigsten Orte der Innenstadt und natürlich die Thomaskirche, die untrennbar mit dem grossen Komponisten verbunden ist. Im Bachmuseum konnten wir anschliessend noch tiefer in sein Leben und Wirken eintauchen.
Eine gutgelaunte und sympathische Reisegruppe

Von Anfang an fand sich eine gut gelaunte und sympathische Gruppe zusammen, die Freude aneinander und am gemeinsamen Reisen hatte. Es wurde viel gelacht, diskutiert und erzählt, und auch die langen Busfahrten boten reichlich Gelegenheit für gute Gespräche. Natürlich kam auch der Genuss nicht zu kurz: Gemeinsame Abendessen und gemütliche Stunden gehörten ebenso zu unserer Reise wie Kunst, Geschichte, Musik und Kirchenbesichtigungen.
Nach acht intensiven Tagen mit zahlreichen Eindrücken, spannenden Begegnungen und vielen neuen Erkenntnissen ging es über Rothenburg ob der Tauber wieder zurück nach Küsnacht.

Unser Fazit: Die Reise war ein voller Erfolg. Wir haben viel gesehen, viel gelernt und dabei eine wunderbare Gemeinschaft erlebt. Der Titel «Heilige, Reformatoren, Künstler» war dabei weit mehr als eine Überschrift: Die Reise hat uns gezeigt, wie eng Glaube, Geschichte, Kunst und Kultur miteinander verwoben sind. Und vielleicht war gerade das die schönste Erkenntnis dieser gemeinsamen Tage.
Thomas Jehle

Lieber Thomas vielen Dank für deinen schönen ausfühlichen Bericht und dein Schlusswort Ja alles war ein grosses wunderschönes Puzzle. Herzlichst Ruth