Die Schmutzlis jagen keine Angst mehr ein.

Ein mit Spannung erwarteter Gast…nicht nur von den Kindern! Geschrieben am

Samichlaus und Schmutzli der Katholischen Kirche Küsnacht Erlenbach
Bereit für den Hausbesuch.

Kinder wie Erwachsene können es kaum mehr erwarten, bis es wieder soweit ist. Jetzt ist er da: Der Advent, die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, hat begonnen. Mit ihm kommen all die schönen Begleiter, die diese Jahreszeit zu etwas ganz Besonderem machen: Weihnachtsmärkte mit dem Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein, Adventskalender, mit denen die Tage bis zum grossen Fest gezählt werden. Manchmal schneit es schon und man kann sich im warmen Haus bei einer Tasse Tee oder einem Glas Glühwein kuschelig zurückziehen. Einer darf in dieser Zeit bestimmt nicht fehlen: Traditionell am 6. Dezember macht ein Mann mit weissem Bart, begleitet von seinen dunklen Gefährten, die Runde. Er spricht mit den Kindern und verteilt kleine Geschenke: Lebkuchen, Mandarinen und Nüsse. Natürlich, es ist Samichlaus. Pastoralassistent Thomas Jehle spricht über die Herkunft des Samichlaus.

Samichlaus – der „heilige Bischof“

Einkleidung Samichlaus Katholische Kirche Küsnacht Erlenbach
Aller Anfang ist schwer.

Wer ist er eigentlich? Was macht ihn aus? Was trägt er da eigentlich alle Jahr wieder? Und warum sieht er bei uns so ganz anders aus, wie der Weihnachtsmann in der Coca-Cola-Werbung oder seine Kollegen in den Einkaufszentren? Schauen wir ihn doch einmal genauer an:

Einkleidung Schmutzli Katholische Kirche Küsnacht Erlenbach
Das Untergewand, die Albe, ist bereit.

Das „Sami“ im Chlaus, stammt aus dem lateinischen und ist eine Verballhornung von „Sanctus“, also „Heilig“. „Chlaus“ ist die schweizerdeutsche Kurzform für den griechischen Namen Nikolaus. Der von uns gefeierte Heilige Nikolaus lebte im 3./4. Jahrhundert als Bischof in Myra, das in der heutigen Türkei liegt. Wegen seiner Fürsorge für arme und benachteiligte Menschen war er sehr beliebt. Mit seiner Person sind zahlreiche Legenden und Geschichten verbunden. Viele drehen sich darum, wie er auf wundersame Weise Menschen in ausweglosen Situationen geholfen hat. Noch heute wird mit dem Samichlaus nachgeahmt, wie er früher unerkannt durch die Stadt schlich. Damals legte er auf die Fenstersimse besonders armer Familien Geschenke und Köstlichkeiten für die Kinder.

Der Samichlaus und seine Begleiter

Schmutzli Katholische Kirche Küsnacht Erlenbach Knecht Ruprecht, Krampus
Die Schmutzlis jagen keine Angst mehr ein.

Seinen Begleiter, bei uns in der Schweiz heisst er „Schmutzli“, in Deutschland „Knecht Ruprecht“ und in Österreich „Krampus“, erhielt Nikolaus erst später. Auch wenn die Namen verschieden sind, ist sein Aussehen immer gleich: Braunes Gewand und russverschmiertes Gesicht. Er verkörpert das Böse und war im autoritären 19. und 20. Jahrhundert für die Bestrafung unartiger Kinder zuständig. Heute bleibt die Rute meist eingesteckt und der Schmutzli hilft beim Verteilen von Mandarinen, Nüssen, Lebkuchen und Schokolade.

Das Aussehen des Heiligen Nikolaus entspricht dem eines Bischofs. Sofort erkennbar ist er an seiner Kopfbedeckung, der Mitra. Das ist eine Kopfbedeckung, die in der Antike von Würdenträgern getragen und im Laufe der Zeit von der Kirche für die Bischöfe und Äbte übernommen wurde. Dasselbe gilt auch für seine anderen Kleidungstücke, die Albe (ein weisses Untergewand), sein rotes Messgewand (welches damals ausserhalb des Kirchenraumes sicher nicht getragen wurde) und seinen roten Chormantel. Dieser heisst auf lateinisch Pluviale (also Regenmantel) und wird bis heute, von seinem ursprünglichen Gebrauch entfernt, bei feierlichen Anlässen in der Liturgie verwendet. Bis ins 20. Jahrhundert wurden für die Gewänder des Nikolaus beliebig viele Farben verwendet, so waren auch blaue, grüne oder violette Varianten möglich.

Ein Vorbote für Weihnachten für die Kinder

Samichlaus mit Mitra, Bischofstab und Smartphone. Katholische Kirche Küsnacht Erlenbach
Ein moderner Nikolaus: Mitra, Stab und Smartphone

In seiner Hand hält Nikolaus den Bischofsstab. Ursprünglich ein Hirtenstab, um die Schafe, die sich verlaufen oder sich vielleicht in einem Busch verfangen haben, wieder zurückholen zu können. Im übertragenen Sinne steht der Stab heute für die Sorge, welche die Bischöfe über ihre geistliche Herde, ihr Bistum, haben sollen. Getragen wird der Stab in der linken Hand, damit mit der rechten Hand gesegnet werden kann.

Oft trägt der Nikolaus einen schönen Ring an seiner Hand. Ähnlich wie bei Eheleuten, die sich bei der Hochzeit als Zeichen ihres Zusammengehörens einen Ring an die Finger gesteckt haben, zeigt ein Bischof mit seinem Ring, dass er mit der Kirche „verheiratet“ ist und sein Leben ganz in den Dienst von Jesus stellen soll.

Der Heilige Nikolaus wurde wegen seiner Kinderliebe zum Patron der Kinder. Und wussten Sie, dass er auch als Schutzheiliger der Seefahrer und Bäcker verehrt wird? Ja er ist sogar zum Schutzpatron ganzer Völker, etwa der Russen, Kroaten und Serben geworden. In der Schweiz hingegen verehrt ihn besonders die Stadt Fribourg. Dort ist der Heilige Nikolaus Patron der Stadt und der Kathedrale. In deren Schatzkammer finden sich auch einige Reliquien von ihm, wobei der Grossteil im italienischen Bari aufbewahrt wird. Auf verschlungenen Wegen gelangten die Gebeine des Heiligen von seinem ursprünglichen Wohn- und Begräbnisort in der Türkei im 11. Jahrhundert dorthin und werden bis heute verehrt.

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