Musikalische Osterfest

Die Ostertage – Reich an Liturgie und Musik Geschrieben am

Die Karwoche und die Ostertage sind mit vielen liturgischen Bräuchen verbunden. Manches im Gottesdienst ist anders wie sonst, und deswegen oft fremd. Diakon Matthias Westermann hat zusammengestellt, was in diesen Tagen liturgisch eigentlich genau gefeiert wird. Kirchenmusiker Joachim Schwander führt in die Kirchenmusik der kommenden Festtage ein. Musikalisch werden die Ostertage von den vier Chören der Pfarrei begleitet. Die Gottesdienstgemeinde erfährt dadurch Liturgie und Musik in einem breiten emotionalen und stilistischen Spektrum. Über alle Grenzen und Unterschiede hinweg soll das Geschehen der österlichen drei Tage für die Gläubigen lebendig und erfahrbar werden.

Palmsonntag – Der Beginn der heiligen Woche

Palmweihe auf dem Kirchhof in Küsnacht St. Georg
Palmweihe auf dem Kirchhof in Küsnacht St. Georg

Matthias Westermann: Mit ihm beginnt die Karwoche oder heilige Woche. Die Vorsilbe „Kar“ leitet sich ab vom althochdeutschen Wort „kara“ und bedeutet Sorge oder Kummer. Eine Palmprozession wird im 4./5. Jahrhundert schon in Jerusalem bezeugt. Hier waren auch echte Palmen verfügbar. In Rom kommt der Brauch erst im 11./12. Jahrhundert auf. In den folgenden Jahrhunderten entfaltete sich im Zusammenhang mit der Prozession eine immer reicher werdende Liturgie. Im Volksbewusstsein blieben davon nur die Palmweihe und der Empfang der Palmzweige oder deren Ersatz in Erinnerung. Die Palmzweige wurden früher als Schutz gegen das Böse mit nach Hause genommen. Auch heute noch halten wir diese Prozession mit den Palmen und erinnern damit an den Einzug Jesu in Jerusalem.

Gründonnerstag – Hoher Donnerstag – Geschichte vom Letzten Abendmahl in zeitlosen Gesängen

Joachim Schwander am Dirigentenpult
Joachim Schwander am Dirigentenpult

Matthias Westermann: Dieser Tag eröffnet das sogenannte Triduum, die heiligen drei österlichen Tage. Jesus feiert zum letzten Mal mit den Jüngern das Paschafest, die Verheissung der Gottesherrschaft mit der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei.  In dem „Grün“ steckt „greinen“ vom althochdeutschen „weinen“. Weinen deswegen, weil der Sohn Gottes sich in unser zerbrechliches Leben hineinbegeben hat und den Tod auf sich nimmt. Am Morgen weiht der Bischof, gemeinsam mit dem ganzen Klerus der Diözese, in der „Chrisammesse“ die heiligen Öle, die zur Feier der Sakramente, für Taufe, Firmung und Krankensalbung nötig sind. Die Gemeinden feiern am Abend das Gedächtnis des Ostermahles, mancherorts mit dem Brauch der Fusswaschung. Diesen Brauch der Fusswaschung praktizieren wir in Küsnacht seit einigen Jahren wieder. Es ist Zeichen dafür, dass Christus als Diener den Menschen ganz nahe ist.

Joachim Schwander: Wenn die Schola Gregoriana am Hohen Donnerstag den fast tausendjährigen Introitus „Nos autem gloriari“ anstimmt, bleibt die Zeit gewissermassen stehen. Die zeitlich noch viel weiter zurückliegende Leidensgeschichte Christi wird Gegenwart. Die anhaltende Popularität des gregorianischen Gesangs ist in seiner meditativen Stille begründet. Jenseits der zeitgebundenen Krisen, welche Kirche und Glaube immer wieder durchleben, vermittelt der gregorianische „Sound“ der Kirche Beständigkeit.

Karfreitag – Meditation über Leiden und Schmerz

 

Das ungeschmückte Kreuz der Kirche St. Georg Küsnacht
Das ungeschmückte Kreuz der Kirche St. Georg Küsnacht

Matthias Westermann: Schon in der Frühzeit der Kirche feierte man an diesem Tag keine Eucharistie. Am Nachmittag versammelt sich die Gemeinde zur Feier vom Leiden und Sterben Christi. Im Mittelpunkt steht das Kreuz, welches auf verschiedene Weise verehrt wird. Wir tun das in unserer Pfarrkirche mit einer Prozession vor das Kreuz, verehren es mit einer Kniebeuge oder einem Kuss und einer Rose, die wir davor niederlegen. Dieses Kreuz steht als Zeichen des Heils über unserem Leben. Als Zeichen der Trauer ist die Kirche ohne äusseren Schmuck und die Glocken schweigen bis zur Feier der Osternacht.

 

Joachim Schwander: Kaum eine Geschichte hat Komponisten auf so vielfältige Art inspiriert wie die Erzählung vom Leiden Christi. In dieser verarbeiteten sie ihre eigene Erfahrung von Leiden und Schmerz in der Welt emotional. Die Karfreitagsliturgie ist der Ort, wo viele heutzutage konzertant aufgeführte Chormusik ihren Ursprung und ihr Zuhause hat. In Gregorio Allegris Vertonung des 51. Psalms, „Miserere“, „Tenebrae factae sunt“ aus den vier Fastenzeitmotetten von Francis Poulenc oder der Motette „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz wird das Ensemble Bleu die Karfreitagsliturgie musikalisch mittragen.

Karsamstag – Osternacht – Hoffnung im Glauben

Einzug in die dunkle Kirche
Einzug in die dunkle Kirche

Matthias Westermann: Dieser Tag ist eigentlich „liturgie-los“. Erst in der Osternacht, die bei einbrechender Dunkelheit des Samstagabends, wie bei uns in Küsnacht, oder am frühen Sonntagmorgen gefeiert wird, bricht die österliche Freude durch. Das am Osterfeuer entzündete Licht, die grosse Osterkerze, wird in die dunkle Kirche getragen. Das Taufwasser wird geweiht und das Taufversprechen erneuert. Vielerorts empfangen in dieser Nacht erwachsene Taufbewerber das Sakrament der Taufe. In österlicher Freude feiert die Gemeinde Eucharistie. Unserer Pfarrei ist in diesem Moment verbunden mit der Kirche weltweit. Denn Millionen von Christen feiern diese Nacht „die Himmel und Erde verbindet“, und in der das Leben den Tod besiegt.

 

Taufwasserweihe von Karl Wolf und Matthias Westermann
Taufwasserweihe

Joachim Schwander: In der Feier der Osternacht kommen die tragenden Elemente des liturgischen Erlebens im Kirchenjahr zusammen: Licht in der Dunkelheit, Hoffnung in der Verzweiflung, Gewissheit der Erlösung. Dass sich diese Erfahrungen wunderbar durch modernes Liedgut ausdrücken lassen, werden die Sängerinnen und Sänger von funtastic beweisen. Von einem Medley bekannter Negro Spirituals wie „Wade in the water“ und „Sometimes I feel“ schlagen sie den Bogen zu „When you believe“ aus dem Musical „The Prince of Egypt“ – ein Stück, das eindrücklich die Macht des Glaubens an das Gute besingt.

Ostersonntag – Festfreude pur

Musikalische Osterfest
Musikalisches Osterfest

Matthias Westermann: Von der Liturgie gesehen ist der Ostersonntag eigentlich „nur“ ein besonders festlicher Sonntagsgottesdienst. Das vom Diakon festlich gesungene Evangelium weist noch einmal auf das Auferstehungsereignis hin.

Joachim Schwander: Uneingeschränkte Freude über die Auferstehung Christi herrscht im musikalisch wohl festlichsten Gottesdienst des Kirchenjahrs vor. Allein die Anzahl der mitwirkenden MusikerInnen wird dem gerecht. Insgesamt 61 Sänger- und InstrumentalistInnen stehen in der Messe D-Dur von Otto Nicolai im Einsatz, mit der die Kantorei und Orchester St. Georg den Ostersonntagsgottesdienst bereichern werden. Symphonische Orchesterklänge, eingängige Gesangssoli und ein voller Chor verkünden das Lob Gottes. Den krönenden Schlusspunkt wird dabei wie in vergangenen Jahren das bekannte „Halleluja“ aus Händels „Messias“ setzen.

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