Blick über die Seine auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame. | © KNA

Der Brand von Notre Dame – eine Katastrophe nicht nur für die katholische Welt Geschrieben am

Am Montag in der Karwoche wurde die berühmte Kathedrale Notre Dame in Paris von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht. Diakon Matthias Westermann erklärt, was ihn mit dieser Kirche verbindet und warum in der Brand besonders betroffen gemacht hat.

Ich war den Tränen nah

Herr Westermann, wann haben Sie von dieser Katastrophe Kenntnis erhalten?

Während des Abendessens hatten meine Familie und ich die Tagesschau eingeschaltet. Da kam am Ende die kurze Meldung, dass in der Notre Dame in Paris ein Grossfeuer ausgebrochen sei. Wir wechselten sofort ins französische Fernsehen, wo live vom Brandort berichtet wurde. Ich war schockiert, als ich diese Bilder sah, die meterhohen Flammen, die Rauchentwicklung, dann der Zusammenbruch des Turmes. Ich war wirklich den Tränen nahe. Vor allem, weil mir immer der Gedanke kam, wie es wohl im Inneren der Kirche bei solch einem Brand aussehen würde. In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen.

Was verbindet Sie besonders mit dieser Kirche?

Natürlich ganz viele schöne Erinnerungen. Ich war schon öfter in Paris, mit der Familie, aber auch mit Pfarreigruppen. Ein Besuch der Notre Dame gehörte immer dazu. Es ist ein wunderbarer, majestätischer Kirchenraum, der einen sofort in den Bann zieht. Hinzu kommt die Art und Weise, wie dort Gottesdienst gefeiert wird: mit einer ansprechenden feierlichen Liturgie, wunderbarem Orgelspiel und einem Wechselgesang zwischen Vorsängern und Gemeinde, den man so nirgends sonst erleben kann.

Küsnacht zu Gast in der Notre Dame

Unser Kirchenchor durfte dort auch schon auftreten?

Mitglieder des Kirchenchors bewundern die Fassade von Notre Dame
Mitglieder des Kirchenchors bewundern die Fassade von Notre Dame

Ja, im Jahr 2009. Unser damaliger Kantor Andreas Gut hatte dies organisiert. Seine Faszination für Kirchenmusik und katholische Liturgie nahm ihren Ursprung in der Notre Dame. So durfte die Kantorei St. Georg einmal in einem Sonntagsgottesdienst singen und er spielte Orgel. Ich selber durfte den Diakonendienst übernehmen, was eine unglaubliche Ehre für mich bedeutete. Deswegen tun mir die Bilder des zerstörten Innenraumes besonders weh. Der Altarraum ist voller Schutt, weil das Dach heruntergebrochen ist. Der Altar, an dem ich stand und die Kanzel, von der ich das Evangelium verkünden durfte, gibt es nun nicht mehr.

Ich erinnere mich noch heute, wie eindrücklich der Blick in das Kirchenschiff für mich war, mit den vielen Tausend Gläubigen. Der Zeremoniar der Kathedrale hatte mich streng ermahnt, immer am richtigen Ort zu stehen und die Einsätze auch in guten Französisch zu leisten. Die Prozession vor Beginn der Messe war gefühlt mehrere Hundert Meter lang. Von der Sakristei durch den Seitengang zur Haupttüre, und dann durchs Mittelschiff bis zum Altar. Am Freitag zuvor erlebte ich noch die Prozession mit der Dornenkrone. Auch wenn ich ansonsten ein nüchterner Mensch bin, in diesem Moment, als die Dornenkrone an mir vorbeigetragen wurde, war ich total ergriffen und voller Ehrfurcht.

Solche Symbole müssen erhalten werden

Wie wird es nun Ihren Einschätzungen nach mit der Notre Dame weitergehen?

Notre Dame vor der Katastrophe
Notre Dame vor der Katastrophe

Nicht nur die Katholiken Frankreichs, sondern alle Franzosen und alle, die diese Kirche schätzen und lieben, hoffen natürlich, dass die Notre Dame wieder aufgebaut wird. Religiös und kulturell ist sie von immenser Bedeutung. Sie ist eine Kathedrale für Glaubende und Nichtglaubende. Wie man hört, soll der Aufbau mindestens fünf Jahre dauern. Ich glaube, dies wird viel länger gehen und sehr teuer werden. Aber ich finde dies richtig, dass wir alles tun, um solche Symbole zu erhalten. Und sie ist ja kein Museum! Der Pariser Erzbischof, dessen Bischofskirche nun eine Ruine ist, hat es ganz richtig formuliert: „Nicht Gott hat sein Haus verloren, sondern wir Menschen.“

Papst Franziskus und die Brandkatastrophe in Paris

Am Dienstagnachmittag führten Präsident Emmanuel Macron und Papst Franziskus ein Telefongespräch. Dabei habe der Papst seine Solidarität mit dem französischen Volk ausgedrückt, hiess es anschliessend. Franziskus hatte zuvor schriftlich seine Betroffenheit über den Grossbrand bekundet. Er teile die Trauer der Katholiken des Erzbistums Paris, der Einwohner der Hauptstadt und aller Franzosen, schrieb der Papst in einer persönlichen Botschaft an Erzbischof Michel Aupetit.

Das Feuer habe ein „nationales Symbol“ getroffen, das den Bürgern von Paris und Frankreich unabhängig von ihren Überzeugungen am Herzen liege. Er äusserte den Wunsch, dass mit dem Einsatz aller das Bauwerk als „Herz der Stadt“ und „architektonisches und spirituelles Erbe von Paris, Frankreich und der Menschheit“ wiedererstehen könne.

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