Adventskranz

Bereit für das Anzünden der ersten Kerze am Adventskranz Geschrieben am

Mittwochnachmittag im Jugendraum. Es riecht ungewohnt. Dies kommt von den frischen Tannenzweigen, die auf einem grossen Tisch in der Mitte ausgelegt sind. Branko und Katica Tijan, das engagierte Hauswartehepaar, ist mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Gibt es genug Scheren, genug Draht und Dekorationselemente? Diakon Matthias Westermann berichtet von seinen Eindrücken.

Mit diesem Anlass beginnt bei vielen die Weihnachtszeit

Adventskranzbinden - ein Familienanlass
Adventskranzbinden – ein Familienanlass

Von der einen Minute auf die andere ist der Raum gefüllt. Vor allem junge Mütter mit ihren Kindern nützen das Angebot der Pfarrei, in die Adventszeit mit einem selbstgemachten Adventskranz zu starten. „Die Adventskränze, die man kaufen kann sind gar nicht schön und dann noch so teuer“, merkt eine Besucherin an und ist konzentriert damit beschäftigt, mit Draht möglichst viele Tannenzweige um den Bastring zu befestigen. Das ist schon die erste Herausforderung für die meisten Teilnehmenden, vor allem für die Kinder, denn es braucht Kraft und Geschick gleichzeitig. Zum Glück gibt es fachkundige Anleitung durch Frau Walt. Die gelernte Floristin hilft schon viele Jahre mit und hat sichtlich Freude, diese Handwerkskunst weiterzugeben.

Eines der Kinder erzählt begeistert, dass es schon das fünfte Jahr mit dabei ist. Branko Tijan ergänzt schmunzelnd, dass dieser Junge am Anfang gar nicht über die Tischkante schauen konnte. Überhaupt hat Herr Tijan alles im Blick, die Neuankommenden werden an die Plätze geführt, für Nachschub an Tannenzweigen und Getränken wird gesorgt sowie aufmerksam geschaut, dass keines der Kinder sich mit den Gartenscheren versehentlich den Finger abschneidet. Während die einen konzentriert bei der Sache sind, nützen die anderen die Gelegenheit zum Gespräch. Für die meisten gehört der Adventskranz zur festen Tradition der Vorweihnachtszeit. Er steht im Wohnzimmer oder in der Küche und schmückt – in den ganz grossen Versionen – auch das Pfarreizentrum und die Kirche. Nach einigen Stunden ist der Anlass vorbei. Branko Tijan ist froh, dass alle mit einem schönen Adventskranz nach Hause gehen können. Und dass er nicht vergessen hat, den Boden des Jugendraums mit Plastikfolie zu belegen. Das erleichtert ihm die Aufräumarbeit. Ob es auch nächstes Jahr eine „Chranzete“ geben wird? „Aber sicher“ entgegnet Herr Tijan. Die ersten haben sich schon angemeldet.

Segensgebet für den Adventskranz aus dem Benediktionale für das deutsche Sprachgebiet

Branko Tijan bei der Arbeit
Branko Tijan bei der Arbeit

 „Ewiger Gott, Du lässt uns Menschen in unserem Suchen nach Leben und Freude nicht allein. Darum schauen wir am Beginn des Advents auf zu Dir, von dem wir alles erhoffen. Wir bitten dich: Segne diesen Kranz und diese Kerzen. Sie sind ein Zeichen, dass Du der Ewige bist, dem auch diese kommende Zeit gehört; ein Zeichen des Lebens, das wir von Dir erwarten: ein Zeichen, dass Du das Licht bist, das alle Finsternis erhellen kann. Hilf, dass wir mehr lieben und Dich mit neuem Eifer suchen. Darum bitten wir Dich durch Christus, unseren Herrn.“

Zur Geschichte des Adventskranzes

Der Adventskranz ist nicht so alt, wie wir meinen und am Anfang hatte er nicht jene beinahe liturgische Funktion, die ihn heute vor allem als Kirchenschmuck auszeichnet. Entstanden ist der Adventskranz vor etwa 200 Jahren in Norddeutschland. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern gründet 1833 das“ Rauhe Haus“ in Hamburg. Dort wurden Kinder und Jugendliche aufgenommen, die straffällig geworden oder sozial gefährdet waren, aber auch Kinder, die durch das damals bestehende soziale System fielen. Ein wichtiges Element seiner Pädagogik war das Feiern der christlichen Feste. Um den Kindern die Wartezeit auf das Weihnachtsfest zu verkürzen, baute er 1839 aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen als Kalender. Jeden Tag der Adventszeit wurde nun eine weitere Kerze angezündet, an den Adventssonntagen eine große Kerze mehr, so dass die Kinder die Tage bis Weihnachten abzählen konnte. Dieser Brauch verbreitete sich rasch, sodass um die Jahrhundertwende auch in katholischen Regionen der Adventskranz zum äusseren Symbol der Vorweihnachtszeit wurde.

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