Multikulturelle Ostern in Küsnacht

Helferinnen mit Kinder vom Café International

Wir wissen „wie der Hase läuft an Ostern“, doch wie feiern unsere Migranten und Flüchtlinge, die in Küsnacht leben? Neben den vielen kirchlichen Bräuchen versteckt in unserer Kultur der Osterhase die Eier, bemalt diese zuvor noch und bereitet Geschenke für die Kinder vor. Doch dieser Brauch ist nicht in allen Kulturen bekannt. Im Flüchtlingstreffpunkt „Café International kommen jede Woche Flüchtlinge und Migranten im Pfarreizentrum zum gemeinsamen Café zusammen. Was ist dieses Café überhaupt? Und welche Osterbräuche gibt es bei den Flüchtlingen zuhause? Im Café, welches kürzlich mit dem Küsnachter Gesellschaftspreis ausgezeichnet wurde, bekommen wir einen Einblick in die Integrationshilfe sowie in multikulturelle Ostern.

Das Café International ist mehr als nur eine Sprachschule

Kinder beim Spielen

Es ist Mittwochnachmittag. Die Sonne scheint und Kinder spielen vor dem Pfarreizentrum Fussball. Es scheint alles ganz normal zu sein. Doch es handelt sich hierbei um Kinder, die nicht immer hier Fussball gespielt haben. Denn sie stammen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Sie sind die Kinder von Flüchtlingen, die in der Schweiz Schutz und Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommen haben.

Die Flüchtlingsproblematik hat sich über die letzten Jahre dramatisch entwickelt. Aus diesem Grund hat sich Pfarrer Karl Wolf entschlossen, etwas für die Integration zu tun. Einige Flüchtling sind erst seit kurzem in der Schweiz, andere schon über 20 Jahre. Durch die sprachliche Barriere habe fast alle auch Integrationsschwierigkeiten. Deswegen bietet die Pfarrei St.Georg einen Sprachkurs für geflüchtete Personen, parallel zum Café International an. Die Flüchtlinge können kostenlos den Sprachunterricht besuchen, welcher unter der Leitung von Pfarreiratsmitglied Claudio Agazzi, ehemaliger Lehrer, durchgeführt wird.

Im Anschluss treffen sich viele Flüchtlinge mit den freiwilligen Helferinnen im Jugendraum zum Austausch. Dies ist besonders wichtig für das Erlernen der deutschen Sprache, eine Grundvoraussetzung für Integration. Zudem lernen Flüchtlinge sich gegenseitig kennen und haben die Möglichkeit Freundschaften aufzubauen. Es werden Gespräche geführt und gebastelt. Manche spielen ein Gemeinschaftsspiel – dazu gibt es Kaffee und selbstgebackten Kuchen. Die Kinder werden während dieser Zeit liebevoll betreut, so dass die Eltern für einen kurzen Moment sorgenlos von der Hilfe profitieren können.

Nicht nur multikulturelle Ostern, sondern auch Geschichten aus aller Welt

Freiwillige Helferinnen vom Café International

Während dieser drei Stunden treffen viele Geschichten, Kulturen und Religionen aufeinander. Gerade diese Mischung macht das Café zu einem wundervollen Ort des Austausches. Jeder lernt von jedem, egal ob Christ, Moslem, egal ob Afrikanerin, Südamerikaner oder Europäer. Auch die Kinder zeigen sich gegenseitig, was in ihrer Kultur und Heimat speziell ist.

Viele Besucherinnen und Besucher des Cafés stammen ursprünglich aus Eritrea. Die meisten sind christlich-orthodox. Auch sie fasten momentan, doch das Osterfest findet normalerweise zu einem anderen Zeitpunkt statt. Dieses Jahr jedoch feiern seit langem wieder einmal alle christlichen Kirchen ein gemeinsames Osterfest zum gleichen Datum.

Wir machen uns gegenseitig schöne Frisuren, besorgen uns ein weisses Kleid und gehen gemeinsam in die Kirche.“ Tigisti aus Eritrea

Wenn das Osterfest nicht am gleichen Tag ist, feiern somit viele Familien zweimal. Die Feste unterscheiden sich nicht gross, es wird gemeinsam gekocht und die Kinder bekommen ein Geschenk. Das Essen steht im Vordergrund, da während der Fastenzeit nicht nur auf Fleisch- sondern auch Milchprodukte verzichtet wird. Den Brauch mit dem Osterhasen kennen viele nicht. Doch da sie jetzt in der Schweiz leben und viele von ihnen auch Kinder haben, nehmen sie diese Tradition in ihre Feiern mit auf.

Kinder dürfen gleich zwei Mal Ostern feiern

Für mich sind beide Ostern schön, aber am meisten freue ich mich auf das Übernachten in der Kirche.“ Eldana aus Eritrea

Austausch im Café International

Für die zehnjährige Eldana ist gerade multikulturelle Ostern besonders schön, da sie dieses Fest gleich zweimal feiern darf. Sie freut sich sehr auf die Geschenke. Doch das Übernachten in der Kirche nach dem eritreischen Gottesdienst bedeutet ihr besonders viel. Normalerweise besuchen sie die christlich-orthodoxen Gottesdienste in Zürich. Aber an besonderen pfarreilichen Feiern sind sie anwesend.

Ich freue mich am meisten auf das Eiersuchen und die Schoggi. Und ich habe auch den Osterhasen schon mal im Garten gesehen“ Nohami aus Eritrea

Schokolade oder bunt bemalte Eier kennt man in Eritrea kaum. Deshalb freuen sich die Kinder besonders auf dieses Fest. Besondere Freude haben eritreische Kinder am Osterhasen. So glaubt die fünfjährige Nohami fest daran, dass sie den Osterhasen durch ihren Garten hat hüpfen sehen.

Der Küsnachter Osterhase ist vielbeschäftigt – auch bei Familien die aus einer andern Kultur und Religion stammen und sich aber hier bestmöglichst integrieren wollen. Seinen Beitrag dazu hat bestimmt auch das Café International geleistet.

Die Türen des Cafés stehen jeden Mittwochnachmittag von 15 Uhr bis 18 Uhr allen offen. Auch engagierte Helferinnen und Helfer oder Interessierte für sprachliche Einzelunterrichte sind immer willkommen. Hierfür dürfen Sie gerne Kontakt mit dem Pfarreisekretariat aufnehmen.