„Ja ich will“ – Kirchliche Hochzeit ist und bleibt ein wichtiges Thema

Ja, wir haben uns getraut
Ja, wir haben uns getraut

 

Wenn der Herbst ins Land zieht, endet auch die (kirchliche) Hochzeit-Saison. Grund genug, Pfarrer Karl Wolf und Diakon Matthias Westermann nach ihren langjährigen Erfahrungen mit kirchlichen Hochzeiten und den Brautpaaren zu befragen.

Damals und Heute

Eine lange Hochzeits-Saison mit vielen emotionalen Momenten ist nun vorbei. Ist kirchlich heiraten heute überhaupt noch gefragt?

Karl Wolf: Die Suche nach einer Liebe, die tief ist und leidenschaftlich, die hält und Halt gibt, die auch das Schwere miteinander in der Lage ist zu bewältigen, die „ewig“ ist – gilt nach wie vor, auch heute für junge Paare. Sie schliessen sich zusammen mit Schlössern auf Brücken und suchen auch in der Kirche eine Weise ihre Liebe so zu versprechen und so schützen zu lassen, dass sie Dauer hat. Die Sehnsucht sich ganz gegenseitig hinzugeben und das Leben miteinander zu teilen – auch miteinander alt zu werden – gibt es auch bei jungen Paaren, sie ist einfach menschlich. Und vor Gott, in der Kirche, bekommt die Eheschliessung durch die einmalige („heilige“) Feierlichkeit etwas eben besonders positiv „Geheimnisvolles“ –  ein „sacramentum“ – das auch für junge Paare sehr gut spürbar ist.

Sind die jungen Paare und ihre Einstellung zur Heirat und Ehe heute anders als vor 20 Jahren?

Matthias Westermann: Das kann man schon sagen. Ich erlebe eine neue Ernsthaftigkeit bei Paaren, die sich kirchlich trauen möchten. Wer heute in der Kirche heiratet, hat sich das genau überlegt und tut das nicht mehr, weil Verwandte oder das Umfeld von einem fordern. Auch wenn manchmal die Vorstellungen, wie die Hochzeit nun aussehen soll, etwas konfus sind, lassen sich doch alle Paare ein auf das, was ich ihnen vermitteln möchte. Das Ehesakrament übt auch heute noch eine wirkliche Faszination aus und berührt junge Menschen. Vor allem der Gedanke, dass Gott an mir und meinem Partner wirklich handelt und dass er uns verbindet auf Lebenszeit.

Die Hochzeit ist mehr als nur ein Eheversprechen in der Kirche

Freudefest mit Blumen
Freudenfest mit Blumen

Was möchten Sie den Brautpaaren mitgeben?

Matthias Westermann: Ich versuche den Brautpaaren zu vermitteln, dass ihre Hochzeit wirklich ein Fest sein darf, dass sie aber keinen Event entwerfen müssen. Der kirchliche Ritus, der gleichzeitig schlicht und feierlich ist, entlastet ein Brautpaar auch vom Zwang, irgendetwas Künstliches erfinden zu müssen. Natürlich reden wir nicht nur über den Hochzeitstag selbst, sondern auch existentielle Fragen spielen immer eine Rolle. Wie kann eine gute Ehe gelingen, hält sie wirklich bis zum Lebensende und was können wir dafür tun, dass sie in guten wie in schweren Zeiten Bestand hat. Mir ist wichtig, den Brautleuten zu vermitteln, dass all dies mit Gottes Hilfe gelingen kann.

Karl Wolf: Ich spreche auch über die psychologische Seite einer Partnerschaft: Ihre Entwicklungsphasen von der Verliebtheit bis zur Reife und Hingabe im Alltäglichen und das Durchleben von schmerzvollen Prozessen. Verhaltensmuster, die zum konstruktiven Gestalten des gemeinsamen Lebens beitragen und solche, die sich als Schatten auf die Partnerschaft legen können, die man von sich kennen und bei sich selbst bearbeiten muss – aber auch vom Partner lernen muss anzunehmen und sich gegenseitig helfen muss zu verändern. Wir sprechen auch über Midlife-Crisis und Krisenphasen eines Mannes und einer Frau, die zu jeder Ehe gehören und deren Bewältigung. Eine Kultur der Paarkommunikation, die „heilige“ Zeit, die es gilt sich als Paar zu reservieren, um das Gespräch und die Freundschaft miteinander wachzuhalten. Auch über die Hilfe, die eine geteilte Spiritualität, das Gebet und ein gemeinsamer Einsatz für andere Menschen, die eine Partnerschaft vertiefen können – besonders, wenn über viele Jahrzehnte Partnerschaft lebendig bleiben soll.

„Manche Hochzeiten rühren auch mich zu Tränen“

Haben Sie auch schon Trauungsanfragen abgelehnt?

Karl Wolf: Nein noch nie. Es gab manchmal schwierige Situationen wegen früheren Eheschliessungen, aber alle waren bisher in dieser oder jener Form lösbar. Unsere Kirche ist in diesen Fragen sehr viel flexibler, als es in der Öffentlichkeit oft verbreitet wird.

Matthias Westermann: Es gab natürlich schon Anfragen, die wir abgelehnt haben. Aber da ging es vor allem um sehr spezielle Orte, die sich Brautpaare für ihr Hochzeit ausgedacht hatten. Im Schwimmbad, auf der Autofähre, einmal sogar auf dem Rollfeld des Zürcher Flughafens. Für die Feier der Sakramente gehört im Normalfall der kirchliche Raum einfach dazu, eine Pfarr- oder Klosterkirche, eine Bergkapelle. Das hilft auch, dass eine Atmosphäre entsteht, die der Würde und Grösse dieses Versprechens angemessen ist. Einmal übrigens wurde ich selber abgelehnt: Ein Brautpaar teilte mir nach dem Vorgespräch mit, sie würden nach jemand anderem schauen, der sie traut. Ich sei ihnen doch zu katholisch.

Sie haben beide schon viele Hochzeitsfeiern gehalten. Wird es dann nicht ein wenig zur Routine oder bleibt jede einzelne Trauung auf ihre Art speziell?

Karl Wolf: Nein, wirklich nicht. Ich fühle mit einem Paar. Ich bin glücklich, manchmal muss ich auch weinen, weil es wirklich anrührend ist, wie sich junge Menschen lieben und auf einen gemeinsamen Weg einlassen – allen Gefahren und Schwierigkeiten zum Trotz. Dann denke ich an Erich Fried: „Es ist was es ist, sagt die Liebe“. Manchmal sorge ich mich, was wohl aus dem Paar werden wird und dann vertraue ich sie Gottes grosser Liebe und Fürsorge an. Und manches Mal bin ich dann jetzt nach so vielen Jahren überrascht und glücklich, wenn ein Paar sich nach 25 Jahren meldet und mit mir die Silberhochzeit feiern und ihr Eheversprechen erneuern will. Es ist auch für mich eine wirkliche Herzensangelegenheit.

Matthias Westermann: Dem kann ich absolut zustimmen. Jede Hochzeitsfeier ist auch für mich etwas Besonderes und irgendwie immer etwas Neues. Das Glück eines Paares zu sehen berührt mich jedes Mal wieder. Da hat man schon manchmal einen Kloss im Hals……Natürlich denke ich bei jedem Wort immer auch an meine eigene Ehe. Das sorgt dann für die notwendige Wahrhaftigkeit und Bodenhaftung.

Auch Hochzeiten sind vor Pannen nicht sicher

Gibt es eine Trauung, an die Sie sich besonders erinnern? 

Matthias Westermann: An meine allererste Trauung, die ich feiern durfte, kann ich mich noch gut erinnern. Natürlich war ich nervös, das erste Mal in dieser Funktion vor einem Brautpaar zu stehen. Aber offensichtlich war die Braut noch viel nervöser. Denn auf meine Frage, ob sie den hier anwesenden Mann zum Ehemann nehmen möchte, antwortete sie laut und vernehmlich mit einem „Nein“. Man konnte richtig das erschreckte Aufatmen der Hochzeitsgesellschaft hören. Ich habe nach einer kurzen Schrecksekunde einfach die Frage noch einmal gestellt, dann kam die richtige Antwort, ein „Ja“. Ich habe hinterher natürlich die Braut gefragt, was denn los gewesen sei. Sei meinte nur, sie habe sich die ganze Nacht vor der Trauung eingesagt, sie dürfen auf keinen Fall „Nein“ sagen. Und dann sei es einfach aus ihr „rausgerutscht“.

Karl Wolf: Es ist mir tatsächlich einmal passiert, dass ich eine Trauung „vergessen“ habe. Ich war Jugendpfarrer in Deutschland. Ein Paar, das ich gut kannte, wollte unbedingt am 2. Weihnachtsfeiertag heiraten. Ich hatte einen Vertreter an diesem 2. Weihnachtsfeiertag – einen Kaplan. Ich selbst hatte „frei“, also ich fuhr also zu meinen Eltern. Als ich den Anruf bekam, ich hätte doch jetzt eine Hochzeit, bin ich aus allen Wolken gefallen. Ich fuhr so schnell ich konnte dorthin. Ein Kollege, der Pfarrer am Ort hatte die Hochzeit schon gehalten und ich kam noch zur Feier mit den Familien…. Es tat mir so furchtbar leid, aber es war nicht mehr zu ändern. Es hat uns bis heute eine sehr nahe und freundschaftliche Beziehung eingebracht und uns bis heute verbunden. Gott sei Dank.

 

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viele schöne und eindrückliche Hochzeitsfeiern.