Der Sakristan hat an Ostern alle Hände voll zu tun

Ljuban Dedic, Sakristan

 

Er ist im Hintergrund, macht alles, ohne dass man ihn wirklich bemerkt oder sieht. Ohne ihn läuft in der Kirche gar nichts und doch steht er nicht im Mittelpunkt. Er ist Sakristan. Was ist ein Sakristan, was macht er und wer ist das in unserer Pfarrei? Tritt man am Morgen in die Kirche, brennen bereits schon Kerzen. Zu besonderen Festen liegt ein angenehmer Blumenduft in der Kirche. Der Kirchenschmuck ist immer passend zur Jahreszeit. So ist momentan in der Kirche wegen der Fastenzeit kaum Schmuck vorhanden. Aber bald schon hat Ljuban Dedic, Sakristan der Pfarrei, alle Hände voll zu tun. Im Interview beantwortet der leidenschaftliche Siegrist und Messmer Fragen zu seiner Tätigkeit und gibt einen Einblick in seinen Alltag.

Der Sakristan ist meist unsichtbar und doch immer da

Herr Dedic, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen haben für das Gespräch. Was ist Ihre Aufgabe in der Pfarrei?

Ich bin Sakristan. Das heisst ich bin dafür verantwortlich, dass alles rund um die Kirche, die Krypta und das Pfarrhaus vorbereitet ist. Zusammen mit Branko Tijan und Mato Stripic sorge ich mich auch um die Umgebung der Kirche. Ob dies Blumenwässern oder Glühbirnenwechsel ist, spielt keine Rolle. Ich bin „Mädchen für alles“. Man kann mit allem zu mir kommen, gerade was handwerklicher Natur ist.

Primär bin ich aber für die Vorbereitung der Gottesdienste verantwortlich, so dass der Priester nur noch kommen muss und alles bereit ist für die Messe. Dazu gehört das Bereitlegen der richtigen liturgischen Gewänder, des Messbuchs und der sonstigen liturgischen Geräte, wie beispielsweise Kelch und Schale, die für die Messe gebraucht werden. All diese Geräte hole ich aus der Sakristei und bereite sie im Chorraum für den Gottesdienst vor. Zudem schmücke ich die Kirche und bestelle Blumen, falls diese benötigt werden. Wenn etwas nicht funktioniert, dann repariere ich es.

Ljuban Dedic – der Handwerker

Wie lange sind Sie schon in der Pfarrei tätig?

Ich arbeite seit 2002 in der Pfarrei. Damals kam mein Schwager Branko Tijan auf mich zu und fragte mich, ob ich  nicht in der Kirche arbeiten möchte. Da ich davor als Chauffeur gearbeitet habe, war ich skeptisch. Doch nach dem vierwöchigen Sakristanenkurs in Einsiedeln freute ich mich auf die Herausforderung. Es war allerdings meine erste Stelle in der Kirche, denn in meinem Heimatland Kroatien beziehungsweise Bosnien habe ich damals eine handwerkliche Lehre als Schlosser gemacht.

War es also eine Herausforderung, die Stelle anzutreten?

Ich bin katholisch aufgewachsen und die Kirche war schon in meiner Kindheit stets präsent. Doch wie genau mit der Hostie vor und nach der Wandlung umzugehen ist, ohne etwas falsch zu machen, wusste ich nicht. Im Sakristanenkurs wurde mir dann aber alles gezeigt und gelehrt. Ich hatte am Anfang grosse Angst, etwas bei den Vorbereitungen für die Gottesdienste zu vergessen. Tatsächlich ist mir einmal am ersten Weihnachtstag entgangen, das Messbuch hinzulegen. Der damalige Pfarrer war so freundlich und hat mich mitten im Gottesdienst gebeten, ihm das Messbuch zu bringen. Ich wäre am liebsten im Boden versunken und habe mich einige Male dafür entschuldigt.

„Ich finde bei jedem Rundgang etwas, dass ich noch reparieren oder bearbeiten muss“

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Kerzen in der Krypta

Ich komme am Morgen sehr früh zur Arbeit. Meistens bin ich zwischen halb sechs und sieben Uhr hier, um die Opferkerzen anzuzünden. Viele Menschen kommen auf dem Weg zur Arbeit in die Kirche und zünden auch noch eine Kerze an oder nehmen sich Zeit für ein kurzes Gebet. Hierfür soll die Kirche offen und einladend sein. Wenn Pfarrer Wolf am Freitagmorgen Meditation hält, zünde ich auch die Kerzen in der Krypta an. Dies dauert ein Weilchen, da es sehr viele Kerzen sind. Danach habe ich manchmal Dinge, die ich erledigen muss, wie Gottesdienste oder Beerdigungen vorbereiten. Wir haben bestimmt fünf Beerdigungen im Monat und die Vorbereitung dauert ungefähr drei Stunden. Oftmals kontrolliere ich auch bestimmte Dinge um die Kirche und sehe dann noch weitere Reparaturen die ich so rasch wie möglich erledigen möchte.

Sind Sie also immer vor Ort?

Ja, ich bin meistens da. Ich habe nur ein Wochenende im Monat frei, dafür jeden Dienstag. Wenn mal eine Beerdigung am Dienstag ist, dann schauen meine Kollegen Branko und Mato, dass alles bereit ist. Aber natürlich komme ich sofort, wenn mal ein Notfall ist. Gerade kürzlich habe ich an meinem freien Tag die Heizung repariert. Wir können ja schliesslich die Kirchgänger nicht im Kalten sitzen lassen.

Was macht die Osterzeit für Sie in ihrer Tätigkeit als Sakristan speziell? 

Die Kirche und das Osterfeuer

Während der Fastenzeit muss ich die Kirche kaum schmücken. In der Karwoche bietet Pfarrer Wolf an jedem Morgen Meditationen an. Hierfür komme ich auch schon um halb sechs und bereite noch Frühstück für die Teilnehmer vor. Am Karsamstag schmücke ich die Kirche, so dass es ein buntes, blumiges Fest wird. Für die Muttergottesfigur muss ich allerdings nie Blumen bestellen. Viele Leute unserer Gemeinde legen Blumen nieder – manchmal fast zu viele.

Die Gottesdienstvorbereitungen der Ostertage sind mit vielen zusätzlichen Aufgaben verbunden. Für den Gründonnerstag bereite ich noch alles für die Fusswaschung vor. Das Osterfeuer für die Feier der Osternacht gehört auch zu meinen Tätigkeiten. Wenn die Gemeinde danach in der Kirche ist, wische ich die Asche zusammen. Auch das Podest, auf dem der Chor am Ostertag steht, baue ich zusammen. Die Podestelemente müssen zuerst aus der Turmsakristei geholt werden. Zum Glück habe ich Hilfe von meinen Freunden, denn die Podeste könnte ich alleine nicht aufstellen. Auch zusätzliche Stühle muss ich in die Kirche stellen, da sonst nicht alle einen Sitzplatz finden bei den Ostergottesdiensten am Samstag und Sonntag.

Das Christbaumaufstellen ist ein richtiges Spektakel

Ist die Osterzeit die strengste Zeit im Jahr?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe immer etwas zu tun. Die Weihnachtszeit ist auch sehr intensiv, denn da bereite ich zusätzlich die Krippe vor. Und auch den grossen Christbaum bauen wir gemeinsam auf. Sie sehen, es gibt also immer etwas zu tun.

Was ist das Lustigste, das Sie je erlebt haben?

Christbaum-Aufstellaktion

Das war ganz am Anfang meiner Zeit hier in der Pfarrei. Der Pfarrer hat mich damals gebeten, den Koffer mit den Dingen für den Gottesdienst vorzubereiten und ihn zum Gottesdienst, welcher an einem anderen Ort stattgefunden hat, hinbringen. Dabei bin ich in einen Gottesdienst hinein geplatzt, den gerade die reformierte Pfarrerin gehalten hatte. Da ich sie jedoch nicht kannte, habe ich alle vertröstet und gesagt, dass der Pfarrer bald komme und den Altar hergerichtet. Dabei war die Pfarrerin ja schon die ganze Zeit am Gottesdienst halten. Das war mir so peinlich, aber mittlerweile kann ich darüber lachen.

Was ist das Schönste unserer Pfarrei?

Das Schönste ist, dass ich auf viele Freunde zählen kann, die mir helfen, wenn Not am Mann ist. Dazu gehört auch das traditionelle Christbaum-Aufstellen. Diesen riesigen Baum könnte ich alleine nicht aufstellen und da ist es gut, dass man Freunde in der Pfarrei und Gemeinde hat, die einem helfen. So geniessen wir zusammen bei einem Glas Wein und Schinken auch unseren Erfolg, dass der Baum schlussendlich steht und allen Gottesdienstbesuchern Freude macht.

Vielen Dank für den Einblick in Ihre Tätigkeit und den Alltag. Ich wünsche Ihnen gute Ostertage.

Ihre Redaktorin Tiziana Ballabio