Der Pfarreirat ist mehr als nur Seelsorgeunterstützung

Andreas Matthaei

 

Der Pfarreirat ist nicht nur ein Gremium zur Unterstützung des Seelsorgeteams. Es ist auch eine „Arbeitsgemeinschaft“ vieler Individuen mit unterschiedlichen Ideen, wie man das Pfarreileben mitgestalten kann. Gerade aus diesem Grund nutzen wir die Gelegenheit einen Einblick in die vielseitigen Tätigkeiten des Pfarreirats zu geben. So beantwortet Pfarreiratspräsident Andreas Matthaei Fragen zur Tätigkeit dieses Ehrenamtes und wie man Pfarreirat werden kann.

Hauptaufgabe ist die Unterstützung des Seelsorgeteams

Vielen Dank, dass Sie, Herr Matthaei, sich Zeit genommen haben für das Interview. Was ist der Pfarreirat überhaupt und was macht er?

Mitglieder des Pfarreierats: (oben v.l.) Andreas Matthaei, Regula Schweiss, Claudio Agazzi, Matthias Westermann, (unten v.l.) Karl Wolf, Gabriella Gebbia.

Der Pfarreirat ist eine Arbeitsgemeinschaft von Angestellten der römisch-katholischen Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach und freiwillig in der Pfarrei tätigen Frauen und Männern. Er wirkt initiativ an der Erfüllung der Pfarreiaufgaben mit, entwickelt Ideen, setzt diese um und unterstützt damit die in der Seelsorge und Pfarreiarbeit tätigen Priester, Diakone und Laien.

Welchen Aufgaben geht der Pfarreirat nach?

Die Aufgaben des Pfarreirates sind in den Statuten verankert und beinhalten vor allem die Unterstützung des Seelsorgeteams sowie die Entwicklung neuer Ideen. Konkret sind in den letzten Jahren Projekte entstanden, die der Pfarreirat teilweise selbständig gestaltet. Unter anderem ist dies das „Pilgern und Wandern mit der Bibel“. Da organisiert der Pfarreirat die Wanderroute, die Unterkünfte und den Gepäcktransport. Ein Mitglied des Seelsorgeteams wirkt mit als geistliche Begleitung und erstellt das Pilgerheft mit Betrachtungen und Texten zu jedem Tag. Ein weiteres Projekt ist der seit zwei Jahren durchgeführte Glaubenskurs. Dieser wird jetzt als „Faith-Book – Bibel und mehr“ weitergeführt. Ursprünglich von Pfarrer Karl Wolf angestossen, und von ihm auch stark geprägt, wirken einzelne Pfarreiräte unterstützend mit. Daneben unterstützt der Pfarreirat auch mit konkreter Hilfeleistung verschiedene Anlässe im Pfarreizentrum. Zur Tradition sind auch die Geschichten am Kaminfeuer zur Weihnachtszeit geworden. Die Idee für den Newsletter kam übrigens auch aus dem Pfarreirat.

Jeder kann sich engagieren und Ideen bringen

Welche Aufgaben haben Sie zusätzlich als Pfarreiratspräsident?

Ich bin zuständig für die Moderation der Sitzungen des Pfarreirates, die Erstellung der Einladung hierfür sowie die Traktandenliste. Die Sitzungen muss ich vorbereiten und leiten. Das Protokoll schreibt dann jeweils ein Mitglied des Pfarreirates.

Wie setzt der Pfarreirat seine Aufgabe in die Praxis um?

Wenn ein Wunsch aus der Bevölkerung oder von den Seelsorgern an uns getragen wird, diskutieren wir ihn im Pfarreirat. Danach beschliessen wir gemeinsam, ob und wie wir ihn umsetzen wollen. Dann wird auch besprochen, ob eine Arbeitsgruppe das Projekt weiter verfolgen soll, oder ob einzelne Personen sich der Aufgabe annehmen.

Die Türen des Pfarreirates stehen Jedem offen

Pfarreirat
Pilgerreise nach Interlaken

Ist der Pfarreirat eine in sich geschlossene Gruppe?

Nein, wir sind grundsätzlich über jede Person froh, die konstruktiv etwas mitwirken möchte. Gegenwärtig sind wir gut aufgestellt, ausser dass jüngere Personen nicht so zahlreich vertreten sind.

Wie kamen Sie damals in den Pfarreirat und wie lange sind Sie schon dabei? 

Ich wurde im Mai 2012 zur Mitarbeit angefragt, und hätte auch gleich Präsident werden sollen. Das wollte ich aber nicht, und so bin ich erst seit Januar 2014 in diesem Amt.

Wie lange bleibt man normalerweise im Pfarreirat?

Das kann man weitgehend selber bestimmen, ausser man würde bei den alle zwei Jahren stattfindenden Wahlen abgewählt!

Unterschied zwischen Pfarreirat und Kirchenpflege

Pfarreirat
Mittagsrat am Thunersee

Welche Themen wurden auf der letzten Pfarreiratssitzung angesprochen?

An der letzten Sitzung vom 25. Januar sprachen wir über den Newsletter und seine Entwicklung und Akzeptanz in der Pfarrei. Wir bereiteten die „Faith-Book“-Abende, unseren Glaubenskurs, vor, diskutierten die kommende Pfarreiversammlung, sprachen über die Veranstaltungsreihe „Essen und Ethik“ und die anderen Veranstaltungen in der Pfarrei.

Für die Vorschau auf das Jahr 2017 kam Kirchenpflegepräsident Willy Bischofberger im Januar-Newsletter zu Wort. Sind der Pfarreirat und die Kirchenpflege zwei völlig unterschiedliche und voneinander unabhängige Gremien?

Ja, denn die Kirchenpflege ist ein selbständiges und vom Volk gewähltes Organ mit eigener Rechtskraft. Die Kirchenpflege ist verantwortlich für die Finanzen, die Anstellung des Personals und den Unterhalt der Liegenschaften. (Hier geht es zum Jahresausblick aus Sicht der Kirchenpflege)

„Wir sind die Brücke zwischen dem Seelsorgeteam und den am Kirchenleben Interessierten“

Welche Ziele verfolgt der Pfarreirat?

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, das Seelsorgeteam zu unterstützen. In diesem Sinne verfolgt der Pfarreirat nicht eigene Ziele. Da er aber Projekte übernimmt, ergeben sich auch bestimmte Verantwortlichkeiten, wie beispielsweise das jährliche Weiterführen des Pilgerns auf dem Jakobsweg. Oder auch das Angebot mit dem offenen Tanzen im Pfarreizentrum. Diese Tanzanlässe am Sonntagnachmittag sind für alle interessierten Personen jeden Alters offen. Unser Ziel ist eigentlich das Bindeglied zu sein zwischen den am Kirchenleben Interessierten und dem Seelsorgeteam.

Was macht unseren Pfarreirat aus?

Wir haben eine gute Stimmung im Pfarreirat. Das ist eine stabile Basis um miteinander etwas in Bewegung zu setzen. Viele verschiedene Fähigkeiten kommen zusammen und können auf Aktivitäten gebündelt werden. Das macht es auch für mich als Präsidenten einfacher bestehende Projekte weiter zu führen und sich an neue heran zu wagen. Die Mitglieder des Pfarreirates sind auch gewillt mit Engagement Neues zu wagen.

„Unsere Pfarrei hebt sich durch ihre vielen Events und die Kirchenmusik ab“

Duo-Konzert

Was ist für Sie persönlich das Schönste in der Pfarrei?

Ja, da muss ich nachdenken. So viele tolle Sachen sind es. Die Auswahl ist nicht leicht. Wir sind eine Pfarrei mit einer guten Grösse und sehr gutem finanziellen Rückhalt. Das ermöglicht ein aktives Pfarreileben mit vielen Events und hochstehender Kirchenmusik. Das Doppelgespann in der Pfarreileitung mit Pfarrer Karl Wolf und Diakon Matthias Westermann ist ebenfalls ein Glücksfall.. Das Tollste aus der jüngsten Vergangenheit war das Funtastic-Konzert mit einem unheimlichen Einsatz der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zusammen mit dem nun leider nach St.Gallen berufenen Dirigenten Andreas Gut.

Worauf sind Sie als Präsident des Pfarreirates besonders stolz?

Dass wir letzten Juni im kantonalkirchlichen Wettbewerb der Freiwilligenarbeit mit dem Projekt „Café International“ eine Auszeichnung  erhalten haben. Das Café ist kein direktes Projekt des Pfarreirates, aber einige Pfarreiräte sind dort engagiert, und der Wettbewerb wurde zusammen mit dem Pfarreirat bestritten.

Pfarreirat
Vor dem Schloss Schadau in Thun

Wie sieht die Zukunft unserer Pfarrei aus? Welche Projekte oder Angelegenheiten werden uns in Zukunft auf Seiten des Pfarreirates begleiten?

Was noch weiter auf uns zukommt – ja, wer weiss das? Wir haben festgestellt, dass eine Not besteht beim kurzfristigen Wohnraum zu bezahlbarem Preis. Immer wieder stehen Personen „auf der Strasse“ und suchen verzweifelt Unterschlupf in Küsnacht und Erlenbach. Vielleicht können wir zusammen mit der Kirchenpflege etwas unternehmen. Denn wenn man hier etwas bewirken will, braucht man dazu Geld. Und das hat der Pfarreirat nicht, dazu braucht es die Kirchenpflege.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg als Präsident des Pfarreirates, interessante Projekte sowie viel Freude an Ihrem Engagement.

Tiziana Ballabio, Redaktorin